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Biokraftstoff-Boom macht Lebensmittel teurer

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland rund 2,5 Millionen Tonnen Biodiesel verkauft, 525 000 Tonnen und damit rund ein Viertel mehr als 2005. Das sei wegen der geringeren Schadstoffausstöße besser für die Umwelt und macht unabhängig vom Erdöl, so Experten. Allerdings verteuert dieser Boom auch viele Lebensmittel.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp.djn/sm) - Beim Verband der Deutschen Margarineindustrie (VDM) sieht man den Biodiesel-Boom mit einiger Sorge. Mittlerweile werde fast das ganze in Deutschland produzierte Rapsöl, Grundstoff für die Margarineproduktion, zur Biodieselherstellung benötigt. Dennoch hätten die Margarineproduzenten "weniger ein quantitatives Problem", sagt VDM-Geschäftsführer Karl-Heinz Legendre. Noch kriege man genug Rapsöl. Es sei das "exorbitante Preisniveau", das der Branche zu schaffen mache. Im September 2006 habe eine Tonne Rapsöl 20 Prozent mehr gekostet als ein Jahr zuvor. Weil der Preis für die Rohware bei der Margarine den größten Teil der Produktionskosten ausmache, stünden die Margarinehersteller regelrecht "mit dem Rücken zur Wand". Jedes Jahr verarbeite die Branche mehr als 160.000 Tonnen Rapsöl.

Die angeblichen Versorgungsengpässe bei Erdöl und Erdgas hält der VDM-Geschäftsführer für Hysterie. Die steigenden Rohstoffpreise seien natürlich kein singuläres Problem der Margarinebranche. Der Biokraftstoff-Boom mache alle Lebensmittel teurer: Die Weizenpreise beispielsweise seien ebenfalls gestiegen, weil das Getreide nicht nur zum Essen, sondern zunehmend auch zur Erzeugung von Strom und Wärme verwendet werde. "Am Ende stellt sich die Frage: Brot oder Bolide. Das hat auch eine ethische Tragweite", fügt Legendre hinzu.

Der Verband Deutscher Oelmühlen (VDOe) hat in den vergangenen Monaten einen Preisanstieg bei allen Rohstoffe beobachtet, die für erneuerbaren Energien herangezogen werden. Holz sei teurer geworden, Zuckerrüben und Getreide auch. Das liege einerseits daran, dass sich die Rohstoffpreise "wegen ihrer Verwendung als Energieträger auch zunehmend an den aktuellen Energiepreisen orientieren", sagt VDOe-Geschäftsführerin Petra Sprick. Die Preise würden andererseits aber auch wegen der größeren Nachfrage steigen.

Bei dieser Entwicklung sei jedoch ein Ende absehbar: Die Preise könnten nicht unendlich steigen. "Die Lebensmittelindustrie wird die höheren Preise bezahlen können -aber die Biokraftstoffindustrie nicht. Denn Biokraftstoffe müssen, um attraktiv zu sein, billiger sein als konventionelle."

Während Gerd Sonnleitner, Präsident des Deutschen Bauernverbands, von einem "regelrechten Boom" der Bioenergie spricht, warnt der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) vor einer zu großen Euphorie "über den Landwirt als Energiewirt". vzbv-Chefin Edda Müller befürchtet verbraucherpolitischen Fehlentscheidungen bei der Bioenergie-Förderung. Wegen der großen Nachfrage nach nachwachsenden Rohstoffen erwartet sie steigende Lebensmittelpreise: Damit sich die Konkurrenz zwischen "Brot und Energie" nicht verschärfe, müsse die Wertschöpfung bei Lebensmitteln steigen, "etwa durch den Bioanbau".

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Renate Künast, sieht das ähnlich. Nachwachsende Rohstoffe müssten auf nachhaltige Produktion hin zertifiziert werden. Es dürfe nicht sein, dass für die Herstellung von Palmöl, das zu Lebensmitteln verarbeitet oder Biokraftstoffen zugesetzt wird, Urwald gerodet werde.

Von ddp.djn-Korrespondent Daniel Staffen