Investitionen zurückgehalten

Biogasbranche erhofft sich neue Impulse durch EEG-Novelle

Die Biogasbranche erhofft sich vom neuen Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) einen kräftigen Schub für den Bau neuer Anlagen. In den vergangenen Monaten sei das Geschäft ziemlich eingebrochen, Anbieter wie auch Betreiber hätten darauf gewartet, was das neue EEG bringt.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Leipzig/Berlin (ddp-lsc/sm) - Hinzu seien die rasant gestiegenen Rohstoffpreise und damit auch die zunehmende Zurückhaltung der Banken bei der Finanzierung neuer Anlagen gekommen, sagte der Referatsleiter Politik beim Fachverband Biogas, Bastian Olzem, der Nachrichtenagentur ddp. Durch die EEG-Novellierung könnte diese Starre gelöst werden. Das Gesetz biete über eine Erhöhung des Bonus für nachwachsende Rohstoffe Anreize.

Bundesweit war der Bau neuer Biogasanlagen im vergangenen Jahr weitgehend zum Erliegen gekommen. Ende 2007 gab es nach Verbandsangaben in Deutschland 3700 Anlagen, nur 200 mehr als im Jahr zuvor. In Sachsen wurde nach Angaben des Umweltministeriums die Biogasbranche weiter ausgebaut, die Zahl der Anlagen stieg von 91 im Jahr 2007 auf jetzt 149. Im Bundesvergleich ist das jedoch eher wenig: Spitzenreiter ist Bayern mit mehr als 1400 Anlagen, bundesweit wird in 3700 Biogasanlagen Energie gewonnen.

In Biogasanlagen wird organische Substanz, zumeist Mais, vergoren und aus dem Gas Strom erzeugt. In angeschlossenen Heizkraftwerken kann auch gleichzeitig Wärme gewonnen werden. Die Vergütung erfolgt nach den jetzt neu festgesetzten Preisen des EEG. Die Zukunft der Biogastechnik sieht Experte Holger Kübler von der Regionalgruppe Sachsen im Fachverband Biogas vor allem in der Großanwendung. Die Anlage, die der Gasversorger Mitgas Mitte Mai in Könnern in Betrieb nahm, sei möglicherweise nur der Anfang.

Mitgas hatte rund neun Millionen Euro in eine Bioerdgasanlage investiert, mit der Biogas gereinigt und zu Erdgas aufgearbeitet wird, das dann direkt über das Gasnetz zu den Heizungen der Verbraucher fließt. Dem Gas sollen jetzt rund fünf Prozent Biogas beigemischt werden. Auch der städtische Versorger Drewag in Dresden plant eine solche Anlage, bis Ende des Jahres würden voraussichtlich die Pläne konkret sein, sagte eine Sprecherin.

Auf dem Land ist durch die Novellierung des EEG und die steigenden Rohstoffpreise hingegen die Gülle möglicherweise der Rohstoff der Zukunft. Die Verarbeitung von Gülle werde vom neuen EEG stärker gefördert als bisher, sagte der Experte Olzem. Eine Verstromung der Tierfäkalien könne zudem auch den Landwirten weitere Vorteile bringen. Zum einen stinke vergorene Gülle nicht mehr so stark, wenn sie aufs Feld gebracht werde. Die Düngewirkung für die Pflanzen sei zudem direkter, und es entweiche von den mit dieser vergorenen Gülle gedüngten Feldern kein klimaschädliches Methan.

Bundesweit werden aktuell 2,8 Prozent des Stroms ausBiomasse gewonnen. Alle erneuerbaren Energien zusammen kamen 2007 laut Bundesumweltministerium auf einen Anteil 8,5 Prozent, eine Steigerung von 13,3 Prozent im Vergleich zu 2006.