Analyse

Biogas auch bei den großen Energiekonzernen immer beliebter

Die Biogas-Branche steht möglicherweise vor einem rasanten Wachstum. Beobachter der Energiemärkte glauben, dass mit Hilfe von Biogas viele der heutigen Energieprobleme in Deutschland gelöst werden könnten. Analysten zufolge hat es von allen erneuerbaren Energien das größte Potenzial.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Düsseldorf (ddp/sm) - Die Biogas-Branche besteht heute längst nicht mehr nur aus engagierten Landwirten, die eine neue Einnahmequelle suchen. Mit Biogas beschäftigen sich mittlerweile auch Stadtwerke, Regionalversorger, Unternehmen aus anderen Erneuerbare-Energien-Bereichen und vor allem auch die großen deutschen Strom- und Gaskonzerne. Niemand will hier Chancen verschlafen.

Besonders E.ON ist in den vergangenen Monaten in die Offensive gegangen. Von zahlreichen Regionalversorgern des Konzerns wurden Biogas-Initiativen gestartet. So investiert die E.ON edis derzeit 23 Millionen Euro in den Bau von fünf Biogas-Anlagen in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. E.ON Bayern will in diesem Jahr sechs Anlagen in Betrieb nehmen und bis 2007 rund zehn Millionen Euro investieren. In Thüringen hat E.ON eine eigene Biogas-Tochter gegründet. Und auch E.ON Westfalen Weser sucht derzeit nach geeigneten Standorten für den Bau solcher Anlagen.

Der Essener Konkurrent RWE beobachtet das Thema Biogas ebenfalls "mit Interesse" und sieht auch einen "Wachstumsmarkt" - mit Investitionen hält sich der größte deutsche Stromproduzent aber noch zurück. Geplant ist lediglich eine 700-Kilowatt-Anlage am rheinischen Kraftwerksstandort Neurath für 2,9 Millionen Euro. Diese soll ab Anfang 2007 rund 1600 Haushalte mit Strom versorgen. "Wir wollen hier erst einmal Erfahrungen sammeln. Wenn die gut sind, wird das Biogas-Geschäft auch weiter ausgebaut", sagt Lothar Lambertz, Sprecher der Erzeugungstochter RWE Power.

"Biogas ist heute schon attraktiv für die großen Versorger", betont Energieanalyst Stephan Wulf von Sal. Oppenheim. Und die Unterstützung des Sektors durch die Konzerne sei ein wichtiger Faktor für den künftigen Erfolg.

Der große Vorteil von Biogas im Vergleich zu anderen Öko-Energien sind seine vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. Es ist leicht und billig speicherbar. Die Stromerzeugung ist zeitlich flexibel und kann deshalb für die Spitzenlast eingesetzt werden. Biogas ist von äußeren Faktoren wie Sonneneinstrahlung und Windgeschwindigkeit unabhängig. Und: Es kann - nach einer entsprechenden Bereinigung - in das normale Gaspipeline-System eingespeist werden.

Die deutsche Gaswirtschaft zeigt sich daher auch aufgeschlossen gegenüber dem Newcomer. Traditionelle Gasversorger wie die Gelsenwasser AG haben mittlerweile einen breiten Einstieg in das Biogas-Geschäft angekündigt. Und selbst Marktführer E.ON Ruhrgas prüft derzeit Beteiligungen in der Branche. "Biogas ist eine interessante Alternative", räumte der Vorstandsvorsitzende Burckhard Bergmann vor kurzem ein. Ruhrgas sei deshalb auch bereit, bereinigtes Biogas in die eigenen Pipelines einzuspeisen.

Korrespondent Andreas Heitker, Dow Jones Newswires

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