Diskussion

Bioenergie: Bauernverband sieht wichtigen Wachstumsmarkt

Angesichts hoher Preise für Öl und Erdgas und der Diskussion um die Energiesicherheit ist Bioenergie einer der Schwerpunkte auf der derzeitigen Grünen Woche in Berlin. Die Messe BerlinEnergy, die parallel zur weltgrößten Agrarschau läuft, zeigt die vielfältigen Einsatzformen nachwachsender Rohstoffe.

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Berlin (ddp/sm) - Rapsöl sowie Stärke aus Weizen, Kartoffeln oder Mais haben sich nach Angaben der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe aus Güstrow zu einem wichtigen Standbein der Landwirtschaft entwickelt. Auch die chemische Industrie nutze diese Energieträger als Ressource. Und im energetischen Bereich werde Biomasse immer häufiger in Strom, Wärme und Kraftstoff umgewandelt. 13 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche würden heute schon für den Anbau nachwachsender Rohstoffe genutzt. Die Tendenz sei steigend.

Bundesregierung und Branchenexperten sehen in nachwachsenden Rohstoffen eine wichtige Energiequelle. Jedem Liter Benzin sind seit Jahresbeginn sieben Prozent Biokraftstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen beigemischt. Da ihre Verbrennung weitgehend frei von Kohlendioxid erfolgt, leisteten sie auch einen Beitrag zum Klimaschutz.

Der Präsident des Deutschen Bauernverbands, Gerd Sonnleitner, spricht bereits von einem "regelrechten Boom" der Bioenergie. Sie habe sich zu einem der größten Wachstumsmärkte unter den erneuerbaren Energien in Deutschland entwickelt. Mit Bioenergie würden 40 Prozent des Umsatzes der alternativen Energien erwirtschaftet, ergänzt Sonnleitner. Das entspreche derzeit jährlich 6,3 Milliarden Euro. In der Bioenergiebranche arbeiteten derzeit 65 000 Menschen, bis 2010 sollte sich dieses Zahl verdoppeln.

Es gibt aber auch Stimmen, die vor einer zu großen Euphorie warnen. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Renate Künast, plädiert für eine sorgfältige Abwägung von Chancen und Risiken der Bioenergie. Nachwachsende Rohstoffe und Bioenergie müssten zertifiziert werden. Biokraftstoff würde beispielsweise auch Palmöl aus Indonesien beigemischt, sagt Künast. Für die Pflanzung der Monokulturen würde Urwald zerstört. "Das darf nicht sein", betonte die ehemalige Landwirtschaftsministerin.

Auch die Chefin des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Edda Müller, sieht den zunehmenden Anbau energiereicher Pflanzen zur Erzeugung von Biodiesel oder Bioethanol kritisch. Die Pflicht zur Beimischung von Biodiesel zu Treibstoffen lege die zukünftige Entwicklung der deutschen Landwirtschaft in die Hand der großen Mineralölkonzerne, die weltweit auf Einkaufstour für Bioenergie gehen, moniert sie.

Müller fordert daher, verstärkt "Biokraftstoffe der zweiten Generation" zu fördern. Beim Herstellungsprozess seien anders als für Biodiesel keine hochwertigen Feldfrüchte wie Raps, Rüben oder Gerste erforderlich. Stattdessen könnten Holz oder pflanzliche Abfälle verwendet werden, sagte Müller. Das verspreche eine deutlich höhere Energieausbeute und eine günstigere Treibhausbilanz.

Der Geschäftsführer des Bunds Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Alexander Gerber, warnt davor, beim Anbau von nachwachsenden Rohstoffen zur Energiegewinnung alte Fehler zu wiederholen. Die derzeitige Entwicklung drohe in eine Spirale von Monokulturen, Schädlingsdruck und Pestizideinsatz und damit zu Agrarwüsten und neuen Umweltproblemen zu führen.

Von ddp-Korrespondent Michael Winckler