Studie

Billigstrom-Angebote seien nur selten profitabel

Seit 2006 hat sich knapp die Hälfte der Stromkunden für einen Stromanbieter entschieden, der Öko- oder Billigstrom anbietet. Anders als die Ökostrom-Anbieter werden die Billigheimer einer aktuellen Studie zufolge jedoch mit ihrer Strategie nicht langfristig kostendeckend arbeiten können.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

München (red) - Neue Stromanbieter haben Bewegung in den deutschen Energiemarkt gebracht. Der Wachstumstrend wird dabei wesentlich von den Ökostrom-Anbietern getrieben. Im Gegensatz zu diesen seien die derzeitigen Geschäftsmodelle der Billigstrom Anbieter oftmals nicht nachhaltig profitabel. Sie werden daher ihr aktuelles starkes Wachstum nicht auf Dauer fortsetzen können und möglicherweise die Preise erhöhen müssen, stellt das Beratungshaus A.T. Kearney in einer aktualisierten Studie über den deutschen Strommarkt fest.

Laut A.T. Kearney positionieren sich unabhängige Wettbewerber im Billigstrom-Segment insbesondere über den Preis. Für Haushaltskunden mit einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden (KWh) bieten sie Preisvorteile von über 200 Euro pro Jahr. Allerdings sind diese Angebote in der Regel mit hohen Vorauszahlungen beziehungsweise Kautionen verbunden und beinhalten nur kurze oder gar keine Preisgarantien. Ziel ist oftmals, mit niedrigen Preisansätzen Top-Platzierungen in einem Strompreisvergleich zu erzielen. Jedoch hätten Billigstromanbieter ein klares Margenproblem, was sie mit Vorkasse und Kautionen zu überdecken versuchten. Das funktioniere allerdings nur, solange die Unternehmen wachsen.

Der Fall Teldafax

Doch die Billigstrom-Anbieter arbeiten der Studie zufolge oftmals kaum profitabel. Angesichts der Preise und der üblichen Steuern, Abgaben und Netznutzungsentgelte zeigten sich meist negative Vertriebsmargen pro Kunde und Jahr. Bei einem Anbieter mit 100.000 Kunden fielen dabei jährlich Verluste von mehreren Millionen Euro an - ohne Kosten für Marketing, Vertrieb und Abwicklung oder Kundenbetreuung zu berücksichtigen. Vermutungen über eine finanzielle Schieflage sieht sich aktuell der Stromanbieter Teldafax ausgesetzt, der sich heftig gegen die Behauptung zur Wehr setzt, in finanziellen Schwierigkeiten zu stecken.

Hohe Wechslerquote, hoher Akquiseaufwand

Vorteile aus der Tarifgestaltung wie Zinseffekte durch hohe Vorauszahlungen fielen hinsichtlich der Profitabilität kaum ins Gewicht, so Hanjo Arms von A.T. Kearney. Denn die Hoffnung, die bei Neuakquisition gegebenen Rabatte später durch Preiserhöhung wieder hereinzuholen, werde meistens durch die geringe Loyalität der gewonnen Kunden konterkariert. Derzeite lägen die Raten beim Stromanbieterwechsel teilweise bei mehr als 20 Prozent pro Jahr. Dies führe nicht nur zu hohen Abwicklungskosten, sondern auch zu einem erheblichen Akquiseaufwand.

Der Studie zufolge sei von einer deutlichen Marktbereinigung auszugehen. Doch selbst für den weiterhin sehr seltenen Fall, dass ein Stromanbieter tatsächlich pleite geht, brauchen sich Endkunden keine Sorgen zu machen, da die Versorgungssicherheit stets durch den örtlichen Grundversorger geregelt ist. Dieser springt auch dann ein, wenn es bei einem Wechsel des Anbieters zu Verzögerungen kommen sollte.