Umbau

Bilfinger will Energiegeschäft abspalten

Bei dem Baudienstleister Bilfinger gilt das Energiegeschäft schon länger als Sorgenkind. Der Konzern kündigte nun harte Maßnahmen an und will das Geschäft mit den Kraftwerken abstoßen. Insgesamt 11.000 Stellen sind in dem Bereich angesiedelt.

Atomkraftwerk© wlad074 / Fotolia.com

Mannheim (dpa-AFX/red) - Der Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger zieht nach einer Serie von Gewinnwarnungen die Reißleine und spaltet sich auf. Für das verlustreiche Kraftwerksgeschäft (Power) mit insgesamt 11.000 Mitarbeitern sei ein "strukturierter Verkaufsprozess" gestartet worden, teilte der MDax -Konzern am Mittwoch in Mannheim mit. Dieser solle innerhalb eines Jahres abgeschlossen werden. Wegen hoher Wertberichtigungen rechnet der Konzern im ersten Halbjahr zudem mit einem deutlichen Verlust. Bilfinger will sich künftig auf das Geschäft mit Industriedienstleistungen und Immobilien konzentrieren. Nachbörslich sackte die Aktie um mehr als fünf Prozent ab.

Hohe Verluste aufgrund der Kraftwerkssparte

Im vergangenen Jahr hatte Bilfinger nach einer Serie von Gewinnwarnungen erstmals seit 1998 einen Verlust ausgewiesen. Dahinter steckten die Dauerflaute im europäischen Kraftwerksbau, die Zurückhaltung vieler Industriekunden bei Investitionen, Umbaukosten und millionenschwere Wertberichtigungen im Energiegeschäft. Der Aktienkurs hatte sich halbiert. Den ehemaligen hessischen Ministerpräsident Roland Koch kostete die erste Gewinnwarnungsserie im vergangenen August den Job und auch Übergangschef Herbert Bodner konnte das Ruder nicht herumreißen. Der erst seit Anfang des Monats amtierende neue Konzernchef Per Utnegaard zog nun die Reißleine.

Utnegaard: Weitere Internationalisierung nötig

"Mit dem klaren Fokus auf die Geschäftsfelder Industrial und Building and Facility stärken wir unsere Positionierung als führender internationaler Engineering- und Servicekonzern", begründete Utnegaard die Aufspaltung. Alle Geschäftsbereiche will er nun zudem einer "detaillierten strategischen Überprüfung" unterziehen.

Das Energiegeschäft ist seit längerer Zeit das Sorgenkind des Konzerns. Angesichts der schwierigen Lage am Heimatmarkt sei hier eine weitere Internationalisierung notwendig, sagte Utnegaard mit Blick auf das Geschäft mit Kraftwerken. Diese wolle Bilfinger nicht vollziehen. Eine umfassende Überprüfung aller Projekte im Kraftwerksgeschäft habe "weitere erhebliche Verluste" zutage gebracht. Darüber hinaus sei die Auslastung in diesem Geschäft weiterhin niedrig. Allein im Power-Geschäft sei 2015 ein operativer Verlust (bereinigtes Ebita) von bis zu minus 100 Millionen Euro zu erwarten (Vorjahr: +8). Ein Großteil schlage sich im ersten Halbjahr nieder.