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Bilanz: Ein Jahr Kohlendioxidhandel an der EEX

Ein Jahr nach Beginn des Handels mit Kohlendioxid-Zertifikaten an der Europäischen Strombörse EEX in Leipzig hat sich der Markt gefestigt. Zwischen 30 000 und 40 000 Tonnen Kohlendioxid werden am Spotmarkt der Börse täglich gehandelt. Die Preise indes sind höher als noch vor einem Jahr von der Industrie erwartet.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Leipzig (ddp-lsc/sm) - Zwischen 25 und 27 Euro werden mittlerweile pro Zertifikat und Tonne fällig. Von einem Preis zwischen fünf und zehn Euro war die Industrie ursprünglich ausgegangen. "Davon sind wir jetzt weit weg", sagt der zuständige Referent beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), Joachim Hein. Unter diesen Preisen leide jetzt unter anderem die Exportfähigkeit der Unternehmen, die die hohen Preise nicht einfach weitergeben könnten. Eigentlich funktioniere das ganze System mit dem Zertifikate-Handel nicht richtig, weil es europaweit noch zu viele Unterschiede gebe. Auch seien die Unternehmen noch verunsichert, was ihnen der Handel überhaupt bringen könne. "Schauen Sie mal an die EEX, wer da handelt", sagt Hein. Das seien "Banken und Finanzdienstleister, aber kaum Unternehmen". Das Kohlendioxid-Zertifikat könne sich auch zu einem Spekulationsobjekt entwickeln.

Mit dem Volumen am Terminmarkt - das ist der langfristige Handel mit den Zertifikaten - ist die EEX nicht zufrieden. Der Spotmarkt indes, der kurzfristige Handel, zeigt sich nach Einschätzung von EEX-Sprecher Fritz Wilhelm nach schleppendem Start jetzt gereift. 40 000 Stück im täglichen Handel von ausgegebenen rund 500 Millionen seien allerdings immer noch nur ein kleiner Teil, sagt Wilhelm. Doch die Börse hoffe auf weitere Steigerung, wenn die Teilnehmer weitere Erfahrungen mit dem noch jungen Kohlendioxid-Handel gewonnen hätten.

Eine Umsatzsteigerung sei auch Ende des nächsten Jahres möglich. Dann ende die erste Phase des Handels, und Zertifikate, die bis dahin nicht aufgebraucht werden, könnten nicht ins neue Jahr transferiert werden. Dann könne eventuell eine Art Dezemberfieber einsetzen, sagt Wilhelm. Das hänge aber von der Konjunktur ab.

Relativ zufrieden mit dem Handel zeigen sich die Umweltschützer. An dem hohen Preis haben sie kaum etwas auszusetzen, außer dass er mitunter auf Verbraucher abgewälzt werden könnte. Etwas verwundert schaut man allerdings auch beim Umweltverband BUND auf die rund 26 Euro pro Tonne. An der Zuteilung, die die Bundesregierung in ihrem Allokationsplan festgelegt hatte, könne es nicht liegen, die sei eher großzügig bemessen gewesen, sagt BUND-Referent Matthias Seiche. Aber die hohen Öl- und Gaspreise hätten dazu geführt, dass viele Stromproduzenten wieder verstärkt auf Kohle gesetzt hätten. "Und dafür brauchte man dann eben entsprechende Emissionsrechte", erklärt Seiche.

Er kann dem aber auch etwas Positives abgewinnen: Kommunale Stadtwerke investierten jetzt wegen der hohen Preise wieder in eigene Anlagen, mit einer weitaus höheren Effizienz als bisher üblich. Mittelfristig könne das mehr für den Klimaschutz tun als die von der Bundesregierung vorgegebene Reduzierung des Kohlendioxidausstoßes um 0,4 Prozent bis 2007.

Von ddp-Korrespondent Matthias Hasberg