Einsturzgefährdet

BfS will durch zweiten Schacht Atommüll aus der Asse bergen

Der Atommüll soll aus der Asse geborgen werden, damit das Bergwerk verschlossen werden kann. Dazu ist jedoch ein weiterer funktionsfähiger Schacht nötig; zwei der drei Schächte sind bereits abgesoffen. Die Kammer soll möglichst noch in diesem Jahr angebohrt werden.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Remlingen (dapd/red) - Die radioaktiven Abfälle aus dem Atommülllager Asse sollen durch einen neuen Schacht an die Oberfläche geholt werden. Wie das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) am Dienstag mitteilte, läuft bereits die Planung für den Bau des Schachts. Die Behörde will möglichst alle radioaktiven Abfälle aus der Asse herausholen, um das einsturzbedrohte Bergwerk sicher zu verschließen.

Der mögliche Standort für den neuen Schacht liege in der Nähe des Bergwerksgeländes in einem FFH-Gebiet, sagte Behördensprecher Werner Nording. Durch Probebohrungen solle ermittelt werden, ob der Standort geeignet sei. FFH-Gebiete sind speziell ausgewiesene Gebiete zum Schutz von Pflanzen und Tieren.

Das Ziel sei eine zügige Erkundung des Geländes, sagte Nording weiter. Bevor das BfS mit den Erkundungsbohrungen beginnen könne, müssten beim Land Niedersachsen die hierfür notwendigen Genehmigungen eingeholt werden.

Zwei Schächte sind schon abgesoffen

Derzeit verfügt das Bergwerk Asse nach BfS-Angaben mit Schacht II nur über einen einzigen vollwertigen Schacht. Daneben gibt es nur noch den schmalen Notschacht. Bei einer Bergung der radioaktiven Abfälle müssten nach derzeitigem Stand der Abfall, das Personal und die Atemluft für die Bergleute über den gleichen Schacht transportiert werden. Dies habe für den Strahlenschutz erhebliche Nachteile, erläuterte Nording. In vergangenen Jahrzehnten waren zwei Nachbarschächte des früheren Salzbergwerks, Schacht I und Schacht III, nach Wassereinbrüchen abgesoffen.

Parallel zum Bau eines Schachtes plant das BfS die Errichtung eines Zwischenlagers für den Atommüll aus der Asse. Es soll den Müll so lange aufnehmen, bis ein Endlager zur Verfügung steht. Ein Standort für dieses Zwischenlager steht aber noch nicht fest.

Kammer soll möglichst noch in diesem Jahr angebohrt werden

Möglichst noch in diesem Jahr wollen das Bundesamt und die Asse GmbH eine erste Kammer mit Atommüllfässern anbohren. Durch die Bohrung wollen sich die Fachleute der Behörde einen Überblick über den Zustand in dem Hohlraum und der rund 4.200 dort lagernden Fässer verschaffen.

Im vergangenen Herbst hatte das BfS als Betreiber der Asse die Bohrung beim niedersächsischen Umweltministerium beantragt. Ende April kam die Genehmigung, das Ministerium versah den Bescheid mit 32 umfassenden Auflagen. Diese Vorgaben hat das Bundesamt in einen Arbeitsplan mit 850 Teilschritten umgesetzt. In das Bergwerk Asse wurden zwischen 1967 und 1978 insgesamt rund 126.000 Fässer mit schwach und mittelradioaktiven Abfällen gebracht.