Umfrage

Bevölkerung gespalten über Laufzeiten von Atomkraftwerken

In der Debatte über längere AKW-Laufzeiten zeigen sich die Deutschen gespalten. 46 Prozent der Bürger sprachen sich in einer stern-Umfrage für eine Verlängerung der Laufzeit aus, ebenfalls 46 Prozent wollen, dass sämtliche Kernkraftwerke wie im Atomkonsens vorgesehen bis zum Jahr 2021 abgeschaltet werden.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin/Hamburg (red) - Ein differenzierteres Bild zeigt die stern-Umfrage bei den Wählern der Parteien: Ein Drittel der SPD-Anhänger (34 Prozent) ist für eine längere Nutzung der Kernenergie als geplant, so wie es auch SPD-Vordenker Erhard Eppler unter bestimmten Bedingungen für möglich hält. Rund jeder fünfte Wähler der Grünen (21 Prozent) wäre mit einer längeren Akw-Laufzeit einverstanden, bei den Linken ist es fast jeder Zweite (46 Prozent).

Die größte Zustimmung zur Atomenergie findet sich bei den Anhängern von Union und FDP: 59 Prozent der Unions-Wähler und fast drei Viertel der FDP-Wähler (73 Prozent) befürworten einen Weiterbetrieb der Anlagen auch über 2021 hinaus.

Zahl der Atomkraftgegner gesunken

Eine Emnid-Umfrage für den Nachrichtensender N24 ergab ein ähnliches Ergebnis. Demnach seien aktuell 49 Prozent der Bürger für den Atomausstieg und 48 Prozent dagegen. Damit habe sich die Einstellung gegenüber der Kernenergie in den letzten Jahren eklatant gewandelt. Noch im September 2004 waren 64 Prozent für und nur 33 Prozent gegen einen Ausstieg aus der Atomenergie, im Januar 2006, waren nur noch 55 Prozent für einen Ausstieg und bereits 42 Prozent gegen ihn.

Dabei scheint das Argument der Versorgungssicherheit die Bundesbürger zu überzeugen. Denn 56 Prozent der Befragten glauben nicht, dass ein höherer Anteil an Kernenergie den Strompreis wirklich bremsen könnte. Viele Deutsche könnten auch der Idee, bestehende Kraftwerke länger laufen zu lassen und damit den Atomausstieg zu verzögern, etwas abgewinnen: 59 Prozent fänden diesen Schritt sinnvoll. 39 Prozent lehnen ihn ab.