Am Rande des Blackouts

Bestürzung über Zockerei mit Strombedarf

Das deutsche Stromnetz ist während der Kältewelle möglicherweise von einigen Strom-Großhändlern manipuliert und damit an den Rand eines Zusammenbruchs gebracht worden. Die Bundesnetzagentur habe eine Untersuchung eingeleitet, bestätigte ein Sprecher am Donnerstag entsprechende Presseberichte.

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Berlin (AFP/red) - Das Bundeswirtschaftsministerium erklärte, es nehme die Vorwürfe sehr ernst. Untersucht werde, warum Deutschland während der Kältewelle mit einer eindeutigen Stromknappheit konfrontiert gewesen sei, sagte der Behördensprecher. Die Bundesnetzagentur habe die betroffenen Bilanzkreis-Verantwortlichen, von denen es rund 900 in Deutschland gebe, in einem Brief ermahnt, dass sie sich an ihre Verpflichtungen halten müssten.

Diese Grossisten kaufen und verkaufen nicht nur Strom, sondern müssen auch Prognosen für den Strombedarf in ihrer Region abgeben. Diese werden für den Netzbetrieb und die Stromproduktion verwendet. In der vergangenen Woche hätten einige der Händler jedoch Prognosen abgegeben, die sich als viel zu niedrig erwiesen hätten, und gleichzeitig weniger Strom eingekauft, als verbraucht wurde.

Profitgier bringt das Land an den Rand eines Blackouts

"Es gab eine deutliche Unterdeckung", sagte der Sprecher der Bundesnetzagentur. Deshalb hätten die Netzbetreiber die eigentlich für Notfälle vorgesehenen Reservekraftwerke aktiviert, um mit der sogenannten Regelleistung die fehlende Energie auszugleichen. "Sogar die Regelleistung wurde knapp", schilderte der Sprecher die angespannte Lage. Stromnetzbetreiber halten die Regelenergie vor, um kurzfristige Schwankungen bei Angebot und Nachfrage auszugleichen.

Die "Berliner Zeitung" berichtete unter Berufung auf Branchenkenner, die Händler hätten offenbar vorsätzlich gehandelt, um ihren Profit zu erhöhen. Hintergrund seien extreme Schwankungen beim Strompreis ab dem 6. Februar gewesen. Phasenweise musste demnach an der Strombörse EEX etwa das Siebenfache der üblichen Großhandels-Preise gezahlt werden. Die Händler griffen auf die Regelleistung zurück, statt den fehlenden Strom teuer an der Börse einzukaufen. "Die Regelleistung war dann viel günstiger als der Strompreis an der Börse", erklärte der Sprecher der Bundesnetzagentur.

Ähnliche Vorfälle will die Bundesnetzagentur dem Sprecher zufolge künftig vermeiden. Eine Idee sei, den Preis der Regelleistung an den Börsenpreis anzugleichen, damit der Preisvorteil verschwinde. Die Behörde habe bereits das Bundeswirtschaftsministerium angesprochen.

Das Wirtschaftsministerium nehme die Vorwürfe sehr ernst, sagte ein Sprecher. Die Versorgungssicherheit habe "hohe Priorität". Den Ergebnissen der Untersuchung durch die Bundesnetzagentur wolle das Ministerium aber nicht vorgreifen.

Quelle: AFP