Besser kein Ergebnis als ein schlechtes Ergebnis: Stimmen zum Scheitern des Weltklimagipfels in Den Haag

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"Die Haltung der US-Delegation war während der gesamten Konferenz gekennzeichnet von der Arroganz einer Supermacht, die die meisten Kohlendioxid-Emissionen verursacht, aber kaum von den Folgen betroffen ist", kritisierte NABU-Präsident Jochen Flasbarth. Es sei dennoch zu begrüßen, dass sich die Europäer auf keinen faulen Kompromiss eingelassen hätten: "Besser kein Ergebnis als ein schlechtes Ergebnis." Die Klimakonferenz habe erneut bewiesen, dass die Dringlichkeit einer globalen Klimaschutzpolitik noch längst nicht von allen Ländern erkannt worden sei: "Scheinbar kommt tatsächlich erst Bewegung in manche Köpfe, wenn ihnen das Wasser buchstäblich bis zum Hals steht", so Flasbarth. (Naturschutzbund NABU)


"Das Scheitern geht eindeutig auf das Konto der US-Amerikaner", betonte Regine Günther vom WWF. Die Verhandlungen hätten sich zu einem "Alptraum" entwickelt, weil die USA, Japan, Kanada und Australien versucht haben, Regelungen durchzusetzen, mit denen sie ihren Kohlendioxidausstoß nur auf dem Papier reduzieren würden. Der WWF hat vorgerechnet, dass die Umsetzung dieser Pläne in Wahrheit zu einem höheren Kohlendioxidausstoß führen würde. "Kein Ergebnis ist immer noch besser als die von den USA vorgeschlagenen Scheinreduktionen. Wir müssen jetzt neu nachdenken, ob ein Wiederbelebungsversuch im kommenden Jahr noch Aussicht auf Erfolg haben kann." (WWF)


"Offenbar reicht es noch nicht, dass schon heute die vom Menschen gemachte Klimaerwärmung Katastrophen immer größeren Ausmaßes verursacht", sagt Karsten Smid, Greenpeace-Klimaexperte in Den Haag. "Wirbelstürme verwüsten ganze Länder, riesige Regionen versinken im Hochwasser und trotzdem blockieren vor allem die USA als Klimasünder Nummer eins jeglichen Versuch, das Klima zu schützen. Hier wurde vor allem auf kurzfristige wirtschaftliche Eigeninteressen wert gelegt. Die Zukunft der Erde waren dem untergeordnet." (Greenpeace)


Für die 16 Landesverbände des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist das Scheitern des Weltklimagipfels von Den Haag ein warnendes Vorzeichen der weiter zunehmenden Klimazerstörung. Auf ihrer Bundesversammlung verurteilten die etwa 130 Delegierten aus ganz Deutschland die Blockade eines wirksamen Klimaschutzes durch Staaten wie die USA, Japan, Australien, Kanada sowie durch die Organisation erdölexportierender Staaten (OPEC). Die internationale Gemeinschaft werde von den Gegnern des Klimaschutzabkommens und Teilen der Industrie daran gehindert, den Ausstoß der gefährlichen Treibhausgase zu senken. Dr. Angelika Zahrnt, BUND-Bundesvorsitzende: "Während sich die Klimaschäden - man sieht es bereits deutlich in England, Italien, Irland und Frankreich - in Überschwemmungen und Unwettern niederschlagen, vertagen die Regierungen die dringend notwendigen Gegenmaßnahmen. Naturkatastrophen kann man nicht aussitzen, Stürme und steigende Meeresspiegel erreichen schon bald auch die Schreibtische der Verhinderer eines wirksamen Klimaschutzes." (BUND)


"Die Aussetzung der 6. Weltklimakonferenz ist ein schwerer Rückschlag für den Klimaschutz. Dies ist umso bitterer, als eine Einigung zum Greifen nahe war. Die Entwicklungsländer und die Gruppen der Industrieländer hatten sich in der Nacht zum Samstag im Prinzip auf folgende Punkte verständigen können: Mehr Geld für Klimaschutz und Anpassungsmaßnahmen für Entwicklungsländer in einer beachtlichen Größenordnung; ein System von Reduktionsverpflichtungen mit einer international verbindlichen Erfüllungskontrolle (compliance); Regeln für den Emissionshandel; Regeln für eine saubere Entwicklung (clean development mechanism);·keine Atomprojekte für den Klimaschutz. Gescheitert ist die Konferenz buchstäblich in letzter Minute. Gescheitert ist sie an der Weigerung einiger Industrieländer, dem Klimaschutz zu Hause einen echten Vorrang zu geben. Gescheitert ist ein Konsens auch daran, dass Industrieländer in einem Übermaß darauf setzen wollten, natürliche Wälder als von Menschen geschaffene Senken anzurechnen, anstatt tatsächlich Treibhausgase zu reduzieren. Dies ist umso bedauerlicher, als aus dem Kreis der EU-Länder noch in letzter Minute weitgehende Kompromisse angeboten wurden. Es kommt nun darauf an, auf der Fortsetzung der Konferenz im kommenden Jahr das Kyoto-Protokoll ratifizierbar und echte Treibhausgasreduktionen endlich international verbindlich zu machen." (Bundesumweltminister Jürgen Trittin)