Schuldzuweisungen

Bernotat: Staat treibt Strompreise in die Höhe

In der Diskussion um die Lebenshaltungskosten in Deutschland hat E.ON-Chef Wulf Bernotat dem Staat vorgeworfen, an den drastischen Strompreiserhöhungen Mitschuld zu tragen. "Beim Strom betragen die vom Staat verursachten Abgaben 40 Prozent", sagte er gestern Abend in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner".

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Seit der Liberalisierung des Strommarktes hätten sich die staatlich veranlassten Abgaben unter anderem für Ökosteuer, Stromsteuer und erneuerbare Energien mehr als verdoppelt. Nachdrücklich wies Bernotat Vorwürfe zurück, E.ON erwirtschafte große Gewinne auf dem Rücken der Verbraucher. "Die Preise werden im Markt gemacht. Wir haben keine Kostenpreise", sagte der EON-Chef.

Strom werde an der Börse gehandelt, wo Angebot und Nachfrage "täglich und stündlich" ausgeglichen würden. Im Übrigen würden die Preise an der deutschen Strombörse nicht, wie häufig behauptet, von den vier Strom-Haupterzeugern des Landes bestimmt.

FDP sieht Mangel an Wettbewerb

Für die FDP dagegen ist die Diskussion um die marktbeherrschende Stellung der vier großen Stromkonzerne durchaus ein Thema. "Der Wettbewerb ist nicht ausreichend hergestellt", sagte FDP-Chef Guido Westerwelle. Die vier großen Konzerne machten 75 Prozent des Marktes aus. Das sei "natürlich nicht vernünftig".

Für "schlicht misslungen" hält der brandenburgische Ministerpräsident und ehemalige SPD-Chef Matthias Platzeck die Strommarkt-Liberalisierung. "Sie hat nicht den Wettbewerb gebracht, den wir uns gewünscht haben, und sie hat auch nicht die Umweltfreundlichkeit gebracht", sagte der SPD-Politiker. "Demokratischer und am Ende auch preiswerter" wäre eine immer mehr dezentrale Energieversorgung.