Streit um Übernahme

Bernotat: E.ON-Gebot für Endesa deutlich attraktiver als Gas Natural

Ein Spaziergang wird die Übernahme des spanischen Energiekonzerns Endesa für E.ON nicht, so viel ist klar. Mal abgesehen von der Gas Natural-Offerte formiert sich auch innerhalb der spanischen Regierung immer größerer Widerstand. E.ON Chef Bernotat ist dennoch zuversichtlich und bekommt Unterstützung aus Brüssel.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Frankfurt/Madrid (ddp.djn/sm) - E.ON-Chef Wulf Bernotat hält das Übernahmeangebot des größten deutschen Energiekonzerns für die spanische Endesa für deutlich besser als das des Konkurrenten Gas Natural. Die Offerte sei "eindeutig attraktiver für Aktionäre, Mitarbeiter und Kunden", sagte Bernotat der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Mittwochausgabe).

Anders als bei einem Kauf durch Gas Natural bleibe Endesa mit E.ON komplett erhalten. Für den deutschen Versorger gebe es kein Zeitlimit in Bezug auf die geplante Übernahme des spanischen Stromkonzerns, betonte Bernotat.

Die politischen Widerstände gegen die Endesa-Übernahme in Spanien sieht Bernotat als nicht unüberwindlich an. Er rechne nicht damit, dass die spanische Energiekommission CNE die Transaktion beanstanden werde. Die Regierung in Madrid hatte der Behörde als Reaktion auf die E.ON-Offerte jüngst mit einer Gesetzesänderung die Zuständigkeit auch für ausländische Unternehmensübernahmen übertragen. E.ON will 29 Milliarden Euro für Endesa bezahlen, hat aber noch kein verbindliches Angebot vorgelegt.

Unterdessen hat der Endesa-Verwaltungsrat seinen Aktionären nun auch förmlich empfohlen, das als feindlich eingeschätzte Übernahmegebot von Gas Natural abzulehnen. Das Gremium habe das Gebot einstimmig zurückgewiesen, teilte der Konzern am späten Dienstagabend mit. Aus finanzieller Sicht sei es unzureichend.

Mittlerweile prüft auch die EU-Kommission die spanische Blockadehaltung gegen eine mögliche Übernahme durch E.ON. Presseberichten zufolge hat die Dienststelle von Binnenmarktskommissar Charlie McCreevy von Madrid Auskünfte über geplante Gesetzesänderungen eingefordert. Der Energiemarkt wird sicherlich auch auf der Agenda des Brüsseler EU-Gipfels am 23. und 24. März sein, da sich neben Spanien auch Frankreich des Wirtschaftsprotektionismus verdächtig gemacht hat. Denn die französische Regierung trieb offenbar die Fusion der heimischen Energieversorger Gaz de France und Suez voran, um eine Übernahme von Suez durch den italienischen Konkurrenten Enel zu verhindern.

Endesa selbst hat in den USA unterdessen Klage gegen das Übernahmeangebot von Gas Natural eingereicht um die Anteilseigner vor falschen und irreführenden Bekanntmachungen zu schützen.