Standpunkt

Berliner Energielieferanten zu NARA: Die Irrfahrt geht weiter

Gestern berichtete das strom magazin von der neuen Arbeitsgemeinschaft für den verhandelten Netzzugang NARA. Die Berliner Energielieferanten natGas und NES finden den neuen Ansatz eher amüsant. Es sei ein Zeichen, dass man an einer einvernehmliche Lösung auch in Zukunft nicht interessiert ist.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Mit Erstaunen haben die unabhängigen Berliner Energielieferanten natGAS Aktiengesellschaft und National Energy Services NES AG festgestellt, dass mit Gründung der Arbeitsgemeinschaft NARA noch mehr Zeit und Geld auf den verhandelten Netzzugang verwendet werden soll. Dazu gaben sie ein Statement ab, das wir nachfolgend in der Originalversion veröffentlichen.

Bei einem sind sich wohl alle Newcomer auf dem deutschen Energiemarkt einig: Der verhandelte Netzzugang ist ein Widerspruch in sich, denn die Netze sind auch weiterhin natürliche Monopole und kein Gegenstand des Wettbewerbs. Betrachtet man die Vielzahl der Beschwerden und Klagen, die bei Kartellbehörden, Ministerien und nicht zuletzt auch bei Gerichten eingehen, ist offensichtlich, dass das in Deutschland gewählte "Experiment Verbändevereinbarung" gescheitert ist, sowohl aus Händler- als auch aus Kundensicht. Unternehmen, die sich auf dem neuen Markt in Deutschland positionieren wollen, müssen sich zwangsläufig die Frage stellen, ob die gesetzlichen Vorgaben für den politisch gewollten Wettbewerb hinreichend sind. Selbst, wenn durch das Verhandeln des Netzzugangs im Einzelfall gute Ergebnisse erzielt werden können, geht damit einher, dass der entsprechende Zugang nicht mehr diskriminierungsfrei gegenüber anderen Marktteilnehmern ist. Um sich aus diesem Dilemma zu befreien, reißen die Forderungen nach einer Regulierung des Netzzugangs nicht ab.

Aufgrund der Ergebnisse des deutschen Sonderweges (lediglich ein Bruchteil der Stromkunden haben ihren Anbieter aufgrund der immensen Hürden des Marktes gewechselt, im Gassektor genießt derzeit trotz schärfster Kritik aus Brüssel lediglich die Großindustrie das Privileg der freien Wahl) steigt mit jedem Tag die Verwunderung darüber, dass das "Wie" des Netzzugangs noch immer nicht geregelt ist. Entsprechend wurden in den vergangenen Wochen diskussionswürdige Entwürfe für eine Netzzugangsverordnung von der Initiative Pro Wettbewerb als auch von der EnBW vorgelegt, leider bislang ohne weiterführende Resonanz. Vor diesem Hintergrund ist der Gedanke, dass nunmehr eine Arbeitsgruppe bestehend aus den Unterzeichnern der Verbändevereinbarungen den Gedanken des verhandelten Netzzugangs in Europa salonfähig machen soll, regelrecht amüsant, und ein klarer Hinweis dafür, dass man auch in Zukunft nicht an einer praktikablen und einvernehmlichen Lösung interessiert ist.