Zwischenlager

Berlin will Atommüll in Philippsburg lagern

Philippsburg soll nach dem Wunsch der Bundesregierung einer der Standorte werden, an denen der Atommüll aus Frankreich zwischengelagert wird. Der Betreiber des dort in Frage kommenden Atomkraftwerks zeigt bisher wenig Interesse. Und seitens der Bewohner regt sich bereits Widerstand.

Atommüll Lagerung© Markus Schieder / Fotolia.com

Philippsburg (dpa/red) - Lässig schlendern die Bewohner der badischen Kleinstadt Philippsburg über den gepflasterten Marktplatz. Aber die sommerliche Idylle trügt. Philippsburg soll nach dem Willen der Bundesregierung die Aufgabe von Gorleben übernehmen und zum Zwischenlager von Atommüll aus Frankreich werden. Der Protest ist noch nicht so laut wie in Niedersachsen, aber Bürgermeister Stefan Martus (CDU) findet schon deutliche Worte: "Wir sind nicht mehr bereit, weitere Belastungen hinzunehmen."

Bürgermeister will rechtliche Schritte einleiten

Die Belastung durch das Atomkraftwerk vor den Toren der 12.000-Einwohner-Stadt am Rhein sei schon groß genug. Sollte ein Antrag auf Genehmigung für die Einlagerung von fünf Castoren (Behältern) mit Atommüll aus der Wiederaufbereitungsanlage in La Hague gestellt werden, werde die Stadt rechtliche Schritte einleiten, kündigt der Bürgermeister an.

Verhärtete Fronten

Aber soweit ist es noch lange nicht. Denn die Fronten im Streit um die Rücknahme von Atommüll aus Frankreich sind verhärtet. Der Betreiber des Atomkraftwerks Philippsburg im Landkreis Karlsruhe, der EnBW-Konzern, will bislang keinen Antrag auf Genehmigung für eine solche Nutzung seines Zwischenlagers stellen.

"Nachdem die Politik die Anlage in Gorleben aus politischen Gründen nicht mehr für die Rücknahme der Castoren aus Frankreich nutzen will, muss sie, wie mehrfach angekündigt, ein Gesamtkonzept zur Lösung der Problematik erarbeiten", fordert ein Sprecher des Karlsruher Energieversorgers. Dazu gehören auch 21 weitere Castoren mit Atommüll, der aus deutschen Kernkraftwerken stammt und in Sellafield in Nordwestengland aufbereitet wurde. Diese muss Deutschland bis 2019 zurücknehmen.

EnBW spricht von "offenen genehmigungsrechtlichen, technischen und finanziellen Fragen". Erst wenn diese beantwortet seien, könnte sich das Unternehmen "mit der Frage einer möglichen Antragstellung befassen".

152 Stellplätze in Philippsburg

Platz genug gäbe es in Philippsburg: Von 152 Stellplätzen für Castoren sind aktuell 36 belegt. Allerdings sind in dem Zwischenlager auf dem Kraftwerksgelände am Rhein Castoren eines anderen Typs untergebracht, die eine andere Handhabung erfordern. Die abgebrannten Brennelemente aus einem Druckwasserreaktor kommen in einen Castor V/19. Die in Glas eingeschmolzenen Abfälle aus der Wiederaufbereitung werden in einem Castor des Typs HAW28M aufbewahrt.

Das Zwischenlager in Philippsburg besteht aus einer Verladehalle und zwei Lagerhallen. Für die Handhabung der HAW28M-Castoren ist nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa ein Wendegestell erforderlich, für das es in der Verladehalle nicht genügend Platz gibt. Die Aufstellung im Lagerbereich aber müsste erst genehmigt werden.

Frage der Zuständigkeiten

Für die Klärung der technischen Fragen ist aus Sicht der Bundesbehörden der Betreiber zuständig. "Es liegt in der Verantwortung des Antragstellers, die Sicherheit der Lagerung nachzuweisen und die dafür notwendigen technischen Konzepte zur Prüfung vorzulegen", erklärt eine Sprecherin des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter.

Und im Stuttgarter Umweltministerium heißt es, weder die Anlieferung noch eine Lagerung der schwach- und mittelaktiven Reststoffe aus La Hague in Philippsburg bereiteten technische Schwierigkeiten.

Pünktliche Rücknahme der Castoren?

Gleichwohl scheint es zumindest zweifelhaft zu sein, ob der Zeitplan für die Einlagerung der fünf La-Hague-Castoren bis Ende 2015 noch eingehalten werden kann. Wegen der nötigen Vorbereitungen "wird das Zeitfenster allmählich eng", sagt eine Sprecherin im Bundesumweltministerium.

Die Betreiber der Kernkraftwerke haben sich bei den Wiederaufbereitungsfirmen in Frankreich und England vertraglich verpflichtet, den aus Anlagen in Deutschland stammenden Atommüll zurückzunehmen. Bei einer Verzögerung könnten die Vertragspartner ihre Kosten für eine längere Lagerung den deutschen Betreibern in Rechnung stellen. Drastischer aber könnten die politischen Kosten ausfallen, wie der jahrzehntelange Widerstand in Gorleben gezeigt hat.

Quelle: DPA