Atommüll

Bericht: Endlager-Projekt kann noch 150 Jahre andauern

An der Suche nach einem Atommüll-Endlager arbeitet seit Mai 2014 eine speziell dafür einberufene Kommission. Wie die Frankfurter Rundschau berichtet, sagt eine Arbeitsgruppe der Kommission voraus, dass die vollständige Einbringung des radioaktiven Materials sich noch bis 2130 hinziehen könnte - der Verschluss des Endlagers bis 2170.

Castor© Tiero / Fotolia.com

Berlin (dpa/red) - Die bundesweite Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll und dessen Bau könnten sich nach Ansicht von Experten um Jahrzehnte verzögern und deshalb deutlich teurer werden. Eine Arbeitsgruppe der Endlager-Suchkommission sagt nach einem Bericht der "Frankfurter Rundschau" (Montag) in einem jetzt vorgelegten Papier voraus, dass das Projekt möglicherweise erst Mitte des nächsten Jahrhunderts abgeschlossen sein werde.

Verschlossenes Endlager zwischen 2095 und 2170

Demnach erwarten die Experten das Einbringen des letzten Atommüll-Behälters erst "zwischen 2075 und 2130" und den "Zustand eines verschlossenen Endlagerbergwerks ... zwischen 2095 und 2170 oder später". Der Kommissionsvorsitzende Michael Müller (SPD) sagte der Zeitung, die Kosten dafür könnten deshalb in den nächsten Jahrzehnten auf 50 bis 70 Milliarden Euro ansteigen. Bisher ist unklar, in welchem Umfang die Atomkonzerne für die Kosten am Ende aufkommen werden. Nach dem bisherigen Fahrplan könnte ab 2018 die Suche mit dem Vergleich geeigneter Endlagerstandorte beginnen.

Zweifel am Salzstock Gorleben

Die 33-köpfige Kommission aus Politikern, Fachleuten und Vertretern der Zivilgesellschaft hatte im Mai 2014 die Arbeit aufgenommen. Sie soll bis 2016 die Kriterien der Suche erarbeiten. Bis 2031 soll ein Endlager gefunden sein.

Grund sind die Zweifel an dem seit 1977 als einzige Option im Fokus stehenden Salzstock Gorleben, der auch weiterhin im Rennen bleibt. Bis 2031 soll der Endlagerort gefunden sein, dann muss es noch gebaut und der in Zwischenlagern lagernde Atommüll umgepackt werden in endlagerfähige Behälter. Eigentlich sind die Zwischenlager und die Castor-Behälter nur auf 40 Jahre ausgelegt, aber diese Fristen könnten deutlich überschritten werden.

Angesichts der Probleme prüfte die Arbeitsgruppe auch ganz andere Endlageroptionen, etwa im Weltall oder in der Antarktis. Aber das Einsinkenlassen von wärmeerzeugenden Behältern in das mehrere Kilometer dicke Eis sei keine Option - zudem sieht das Gesetz eine Einlagerung der deutschen Atomabfälle im Inland vor. Zudem verbiete der Antarktisvertrag eine solche Atomabfalleinlagerung im Eis.

Quelle: DPA