Atomruine

Bergung der Brennstäbe in Fukushima beginnt

In Fukushima wurde mit der Bergung der Brennstäbe in Reaktor 4 begonnen. Die gefährliche Umlagerung aus einem Abklingbecken wird voraussichtlich ein Jahr dauern. Castor-ähnliche Transporter werden hierzu herangezogen. Die Dauer für die gesamte Stilllegung der Atomruine wird auf 30 bis 40 Jahre geschätzt.

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Tokio (dpa/red) - In der Atomruine Fukushima hat am Montag die riskante Bergung von rund 1.500 Brennstäben aus dem Abklingbecken eines beschädigten Reaktorgebäudes begonnen. Die in einem Becken in rund 30 Metern Höhe von kleinen Trümmerteilen umgebenen Brennstäbe gelten neben den täglich zunehmenden Massen verseuchten Wassers mit als größte Gefahrenquelle auf dem AKW-Gelände. Die voraussichtlich ein Jahr dauernde Bergung müsse mit "höchster Vorsicht" erfolgen, erklärte der Chef der Atomaufsichtsbehörde, Shunichi Tanaka. Das Gebäude des Reaktors 4 war bei einer Wasserstoffexplosion in Folge des Erdbebens und Tsunamis vom 11. März 2011 beschädigt worden.

Stilllegung in 30 bis 40 Jahren

Arbeitskräfte sollen die 1.331 abgebrannten sowie 202 unbenutzten Brennstäbe einen nach dem anderen mit einer Spezialvorrichtung in einen Castor-ähnlichen Behälter hieven. Dieser Vorgang geschieht in dem Becken unter Wasser. Sobald der Container mit 22 der 4,5 Meter langen Brennstäbe gefüllt ist, wird er mit einer Kranvorrichtung auf einen Lkw gehoben. Dieser bringt ihn dann zu einem anderen Gebäude in rund 100 Meter Entfernung, wo die Brennstäbe laut Tepco sicherer als bisher in einem Abklingbecken gelagert werden können. Die Umlagerung gilt als erster großer Schritt zur Stilllegung des AKW. Der vollständige Rückbau der Anlage dürfte etwa 30 bis 40 Jahre dauern. Der erste Tag der Bergungsarbeiten sei ohne Zwischenfälle verlaufen, gab der Betreiberkonzern Tepco bekannt.

Brennstäbe als größeres Risiko

"Abgebrannter Brennstoff birgt potenziell ein sehr großes Risiko", sagte Tanaka kürzlich zu der nun begonnenen Bergung. Er selbst sei darüber mehr besorgt als über das Problem mit den riesigen Mengen verstrahlten Wassers. Der Betreiber Tepco versicherte jedoch, dass eine erneute Katastrophe samt Kernspaltung sehr unwahrscheinlich sei. Die für die Bergung installierten Spezialvorrichtungen sollen sicherstellen, dass keine Brennstäbe versehentlich herunterfallen.

Kritiker zweifeln an den Sicherheitsvorkehrungen

Selbst wenn ein Brennstab brechen und Strahlung freigesetzt würde, so versichert Tepco, bestehe kein großes Strahlenrisiko für die Umgebung des AKW. Damit während der Bergungsarbeiten keine Radioaktivität nach außen gelangt, hat Tepco das Gebäude abgedeckt. Man habe "alle möglichen" Sicherheitsmaßnahmen getroffen, versicherte Tepco-Chef Naomi Hirose. Kritiker sind jedoch angesichts immer wieder auftretender Pannen wie Lecks in Tanks mit hochgradig verseuchtem Wasser von den Fähigkeiten Tepcos nicht überzeugt. Kernkraftgegner warnen, die Hunderte von Tonnen Brennstoff könnten das Tausendfache an Strahlung der Atombombe von Hiroshima freisetzen.

Brennstäbe angeblich ausreichend gekühlt

Experten halten das jedoch für abwegig, zumal sich die Brennstäbe in dem Becken in den vergangenen drei Jahren längst ausreichend abgekühlt hätten. Zwar war der Reaktor 4 zum Zeitpunkt des Erdbebens am 11. März 2011 wegen Wartungsarbeiten abgeschaltet. Daher war es auch nicht wie in den Reaktoren 1 bis 3 zu Kernschmelzen gekommen, da sich die Brennstäbe schon im Abklingbecken befanden. Das Gebäude wurde jedoch beschädigt und das Dach über dem im obersten Stockwerk gelegenen Abklingbecken bei der Wasserstoffexplosion zerstört.

Wartezeit mindestens zehn Jahre

Es müsse unbedingt vermieden werden, dass die Brennstäbe mit Gewalt herausgezogen werden, sollten sie sich mit den im Pool liegenden kleinen Trümmerteilen verklemmen, so Tanaka. Tepco hatte im Juli 2012 probehalber zwei Brennstäbe aus dem Becken entfernt. Zwar scheinen die Stäbe nicht weiter stark beschädigt zu sein. Es könne jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass sich kleine Beschädigungen im Zuge der Bergung vergrößern, wurde Tanaka zitiert. Nach Ansicht der Regierung kann frühestens in etwa zehn Jahren damit begonnen worden, auch die Reaktoren 1 bis 3 zu entkernen. Doch wegen der extremen Strahlung weiß niemand, wo sich der geschmolzene Brennstoff überhaupt befindet.

Quelle: DPA