Abbaustopp

Bergamt untersagt weiteren Abbau im Flöz Grangeleisen

Nach schweren Erderschütterungen wird das Bergamt Saarbrücken einen vorläufigen Abbaustopp im Flöz Grangeleisen im Kreis Saarlouis anordnen. Der Betreiber, die Deutsche Steinkohle AG (DSK), stellt die Rechmäßigkeit der Anordnung in Frage und warnt vor einem Versorgungsengpass für saarländische Kraftwerke.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Saarbrücken (ddp/sm) - Zudem werde die DSK aufgefordert, mit einem neuen technischen Verfahren für eine "merkliche Verringerung der Häufigkeit und Intensität" von bergbaubedingten Beben zu sorgen, kündigte Saar-Wirtschaftsminister Hanspeter Georgi (CDU) in Saarbrücken an. Bis zur Umsetzung dieses "Hydro-Frac-Verfahrens" müsse der Abbau gemäß einer nachträglichen Anordnung zur Abbaugenehmigung unterbleiben. Gegen diese Anordnung kann die DSK binnen 24 Stunden Einspruch einlegen.

Die DSK stellte sowohl die Rechtmäßigkeit als auch die Notwendigkeit der Entscheidung in Frage. Durch den weiteren Abbau im Flöz Grangeleisen entstehe weder ein Gemeinschaden, noch seien Gefahren für Leib und Leben oder schwerste Bergschäden zu befürchten, hieß es in einer Stellungnahme. Über einen möglichen Widerspruch oder eine Klage werde aber erst eine Entscheidung getroffen, wenn der Wortlaut der Anordnung der Bergbehörde vorliege.

Das Hydro-Frac-Verfahren ist nach Angaben des Wirtschaftsministeriums bislang im Bergbau in Polen, aber auch bei der Erdöl- und Erdgasförderung eingesetzt worden. Dabei wird Wasser unter Hochdruck in die kritischen Gesteinslagen gepumpt, um für eine Entlastung der Spannung zu sorgen. Sollte nach Anwendung dieses Verfahrens kein positives Ergebnis zu erwarten sein, schließt Georgi einen endgültigen Abbaustopp in diesem Gebiet nicht aus.

Die DSK warnte dagegen, die derzeitige Förderung von 2400 Tonnen pro Tag trage maßgeblich zur Versorgung der saarländischen Kraftwerke bei. Zudem seien bei einem endgültigen Abbaustopp 450 Arbeitsplätze und damit ein sozialverträglicher Anpassungsprozess im Saarbergbau gefährdet.

SPD-Wirtschaftsexperte Hans Georg Stritter warf der Landesregierung vor, mit ihrer Entscheidung eines erneuten vorübergehenden Abbaustopps sowie der Möglichkeit zu einem endgültigen Stopp die Versorgung saarländischer Kraftwerke und damit auch die Fernwärmeversorgung zu gefährden. Ein längerfristiger Ausfall könne aufgrund technischer Umstellungen nicht kompensiert werden, warnte Stritter.

FDP-Landeschef Christoph Hartmann hingegen sagte, der Beschluss des Ministerrates zeige, dass auch die CDU inzwischen zumindest teilweise einsehe, dass die DSK die Lage nicht "im Griff habe". Dies gelte aber auch für das Abbaufeld Dilsburg, wo derzeit kein Abbaustopp im Gespräch sei. Hier werde mit zweierlei Maß gemessen, kritisierte der FDP-Chef.