Einzelstrebverfahren

Bergamt ordnet reduzierten Abbau in der Primsmulde an

Das Saarbrücker Bergamt hat für den Kohleabbau in der Primsmulde Süd ein sogenanntes Einzelstrebverfahren angeordnet. Während die SPD-Fraktion den Kompromiss zwischen DSK und Bergamt begrüßte, bekräftigte die Landtags-FDP ihre Forderung nach einem sofortigen Abbaustopp.

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Saarbrücken (ddp-rps/sm) - Im zweiten noch betriebenen Streb ist der Abbau künftig nur noch mit einer Geschwindigkeit von "nahe null" erlaubt. Die Deutsche Steinkohle AG (DSK) hatte dieses Vorgehen am Montag selbst vorgeschlagen, um einen Abbaustopp zu vermeiden. Als Streb bezeichnet man beim Kohlebergbau den Teil eines Rohstoffvorkommens, in dem die Kohle abgebaut wird.

Der saarländische SPD-Chef Heiko Maas begrüßte die Einigung zwischen DSK und Bergamt. Es sei gut, dass die Behörde den Vorschlag des Unternehmens angenommen habe. Dies zeige auch, dass die DSK "mit der entstandenen Problematik verantwortungsvoll umgeht", sagte Maas. Es sei der Versuch, die Intensität und die Häufigkeit der Erdbeben zu verringern und damit "die gesellschaftliche Akzeptanz für den Bergbau wieder zu verstärken".

Kritik an dem Kompromiss kam hingegen vom parlamentarischen Geschäftsführer der FDP-Fraktion. Die Entscheidung des Bergamtes sei nicht ausreichend, sagte Manfred Baldauf. Es sei "in keiner Weise gesichert, dass durch das angeordnete Einzelstrebverfahren" die Beben gemindert würden. Seine Partei dränge deshalb weiter "auf einen sofortigen Abbaustopp". Die Vergangenheit habe gezeigt, dass die DSK die Folgen des Abbaus nicht kontrollieren könne. Das Einzelstrebverfahren sei daher «reine Verzögerungstaktik, um eine endgültige Entscheidung über den Abbaustopp hinauszuzögern".

Das Bergamt hatte der DSK mit einem Abbaustopp gedroht, falls das Unternehmen keine geeigneten Maßnahmen zur Reduzierung der Erdbeben ergreifen würde. Durch einen möglichen Abbaustopp wäre die Förderung im Bergwerk Saar unwirtschaftlich und ein frühzeitiger Ausstieg aus der Kohleförderung an der Saar wahrscheinlicher geworden.

Ziel der Anordnung ist es, beide Strebe bis auf etwa 400 Meter auseinander zu fahren, damit aus dem bisherigen Doppelstrebverfahren ein Abbau in zwei einzelnen Streben wird. Erst wenn der von einem Gutachter berechnete Abstand erreicht sei, könne auch im zweiten Streb wieder Kohle angebaut werden.

Der vorläufig stillzulegende Streb darf nach Angaben des Bergamts in der Zwischenzeit nur soweit bewegt werden, wie es zum Erhalt der technischen Anlagen erforderlich ist. Dies entspreche etwa einem Meter alle zwei bis drei Tage. Die normale Abbaugeschwindigkeit vor Ort liegt der Behörde zufolge bei drei bis vier Metern pro Tag.

Hintergrund der Anordnung sind die sowohl in der Häufigkeit als auch in der Intensität zunehmenden bergbaubedingten Erdbeben in den vergangenen Wochen. Das jüngste Beben ereignete sich am Montagabend mit einer Stärke von 3,5 auf der Richterskala.