Regierung hält an E10 fest

Benzin-Gipfel: Tankstellen sollen Autofahrer informieren

Trotz der Verunsicherung der Autofahrer hält die Bundesregierung am neuen Kraftstoff E10 fest. Die Autofahrer sollen jedoch besser informiert werden, unter anderem indem an den Tankstellen Listen ausgelegt werden. Dort können Verbraucher sehen, welche Autos E10 vertragen und welche nicht.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Frankfurt/Main (afp/red) - Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) räumte ein, dass es Verwirrung unter den Autofahrern gebe. Der Verbraucher werde daher künftig an den Tankstellen Klarheit darüber bekommen, ob sein Auto den Sprit verträgt. Darüber hinaus verpflichtete das E10-Gremium Werkstätten zur verstärkten Information. "Auch die Bundesregierung wird ihre Aufklärung in der Öffentlichkeit fortsetzen", sagte Röttgen. Gleiches gelte für Automobilclubs und Wirtschaft.

Alle Gipfel-Teilnehmer hätten zum Thema E10 "eine gemeinsame Position", sagte Röttgen. Von dieser Position aus seien die "gemeinsamen Maßnahmen" beschlossen worden, "weil wir glauben, eine gemeinsame Verantwortung zu haben". Noch bis Montag hatten sich Politik, Mineralölindustrie und Automobilhersteller gegenseitig Versagen bei der Information vorgeworfen.

Regierung sieht Mineralölwirtschaft in der Schuld

Für das Chaos an den Tankstellen bei der Einführung des neuen Kraftstoffs E10 machte Röttgen die Mineralölwirtschaft verantwortlich. Das Umweltministerium habe sich mit dem ADAC "seit Monaten vorbereitet", sagte er im "heute journal" des ZDF. Es gebe millionenfach Informationsmaterial, "aber die Mineralölwirtschaft hat das nicht an die Tankstelle gebracht", sagte Röttgen. Nun aber bestehe Einigkeit hinsichtlich der Befürwortung des Kraftstoffs und "in der Einsicht, besser aufzuklären".

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen kritisierte das Konzept indes und widersprach damit der Darstellung, alle Beteiligten hätten dem Ergebnis des Benzin-Gipfels zugestimmt. Grund sei die Forderung nach einem Informationsschreiben an alle Autofahrer, deren Fahrzeuge E10 vertragen, die nicht erfüllt worden sei, sagte der Energieexperte des Verbands, Holger Krawinkel, dem RBB-Inforadio. Der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB), der Automobilclub von Deutschland (AvD) sowie der Deutsche Bauernverband (DBV) und die deutsche Bioethanolwirtschaft begrüßten das Ergebnis dagegen.

Der Vorsitzende des Mineralölwirtschaftsverbands (MWV), Klaus Picard, betonte, es gebe keinen Einführungsstopp des Kraftstoffs, den eine Mehrheit der Verbraucher derzeit ablehnt. Lediglich dessen Herstellung sei zurückgefahren worden. "Es ist doch logisch, dass ich die Raffinerie nicht weiterlaufen lasse, wenn die Tanks voll sind." Die Tankstellen haben derzeit massive Absatzprobleme bei E10, stattdessen tanken die Autofahrer teureres Super Plus. Knapp zehn Prozent der Autos vertragen den neuen Sprit nicht.