Schließung beschlossen

Belegschaft blockiert Werktor des Hamburger Aluminium-Werkes

Im Bemühen um eine Rettung des Hamburger Aluminium-Werkes (HAW) ist jetzt auch der letzte Bieter aus dem Rennen. Die HAW-Gesellschafter wiesen gestern das Übernahmeangebot der Georgsmarienhütte Holding GmbH (GMH) zurück. Daraufhin protestieren die Beschäftigten heute am Werktor.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Hamburg (ddp/sm) - Mit einer Blockade des Werktors haben Beschäftigte des Hamburger Aluminium-Werkes (HAW) heute gegen die gestern angekündigte endgültige Schließung des Unternehmens protestiert. Mit Lkw und Gabelstaplern verstellten sie ab 6 Uhr die Zufahrt zum Betriebsgelände. Es bildeten sich riesige Fahrzeugschlangen.

Lautstark machten die Protestierenden ihrer Wut über die Verhandlungstaktik der Firmeneigner Luft. Symbolisch verbrannten sie ein T-Shirt mit dem Firmenlogo des Gesellschafters Norsk Hydro. "Die Motivation der Belegschaft ist schon ziemlich am Boden", sagte Betriebsrätin Susanne Nowak. Am Vormittag traf sich der Betriebsrat nochmals mit dem HAW-Aufsichtsrat. Die Zusammenkunft habe in die Hamburger City verlegt werden müssen, weil der Aufsichtsrat es am Vortag abgelehnt habe, ins Werk zu kommen, sagte Nowak. Bei dem Treffen sei es jedoch lediglich darum gegangen, sich über die weiteren Modalitäten der Schließung zum Jahresende zu informieren.

Von der gestern durch die Gesellschafter gefällten Entscheidung hätten Betriebsrat und Belegschaft erst durch die Medien erfahren. Dieses Vorgehen habe großen Unmut ausgelöst. "Norsk Hydro wollte gar nicht ernsthaft verkaufen", sagte Nowak zu den scheiterten Verhandlungen mit der Georgsmarienhütte Holding GmbH (GMH). Die Belegschaft fühle sich "an der Nase herumgeführt".

Mit GMH war am Donnerstag auch der letzte Bieter gescheitert. Laut den HAW-Gesellschaftern bestünden "ernsthafte Zweifel an der Nachhaltigkeit eines positiven Cashflow in dem vorgelegten Business-Plan" wie auch Zweifel an einem "angemessenen Schutz von Gesellschaftern und Mitarbeitern vor dem Risiko einer zukünftigen Insolvenz". Zuvor war bereits die Trimet Gruppe (Essen/Düsseldorf) aus dem Bieterrennen ausgeschieden.

Wegen zu hoher Strompreise hatten die drei Gesellschafter Alcoa, Austria Metall Aktiengesellschaft und Norsk Hydro die Schließung zum Jahresende beschlossen. Im Hüttenwerk und der Anodenproduktion sind davon nun 450 Beschäftigte betroffen.

Die WirtschaftsVereinigung Metalle (WVM) forderte unterdessen erneut eine Senkung der Strompreise. "Die Strompreise müssen runter, sonst reißt die Wertschöpfungskette von Produktion über Weiterverarbeitung zum Endprodukt", sagte Martin Kneer, WVM-Hauptgeschäftsführer. Konsequenz sei ansonsten die fortschreitende Deindustrialisierung in Deutschland. Die neue Bundesregierung müsse, falls es kein Einlenken der Stromversorger kurzfristig gäbe, nach Ansicht der WVM schnellstens eine Energiepolitik aus einem Guss für den Standort Deutschland vorlegen, die die Rahmenbedingungen zum weiteren erfolgreichen industriellen Produzieren in Deutschland ermöglicht.