Steigender Stromverbrauch

Bei kaltem Wetter sprudeln auch die Boni

Wenn das Wetter kalt wird, dann reiben sich die Manager bei den Stromproduzenten und bei den Gasversorgern die Hände. Absatz und Umsatz steigen, und da die Top-Etagen häufig einen Teil ihres Gehaltes in Abhängigkeit von den Gewinnen erhalten, steigen im Winter die Ansprüche auf Bonus-Zahlungen.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (dapd/red) - In Frankreich zum Beispiel wurde in dieser Woche ein historischer Rekordabsatz beim Strom erzielt. Der öffentliche Netzbetreiber RTE teilte mit, am Dienstagabend um 19.00 Uhr seien 94.200 Megawatt Strom verbraucht worden, so viel wie nie zuvor.

Laut der Leipziger Strombörse EEX wurden in Deutschland am Donnerstag um 10.00 Uhr rund 67.500 Megawatt Strom produziert, darunter knapp 11.000 Megawatt aus Windkraftwerken und 56.600 Megawatt aus anderen Quellen. Das deckt aber nur 85 Prozent des Marktes ab, denn der Transparenz-Initiative der Strombörse haben sich nicht alle Unternehmen angeschlossen.

Frankreich verbraucht im Winter deutlich mehr Elektrizität als Deutschland, weil dort viel mehr Stromheizungen stehen. Denn der staatliche Stromkonzern Electricité de France setzt zu 80 Prozent auf Atomkraftwerke. Es handelt sich bei den Heizungen oft nur um einfache Radiatoren, also nicht einmal Nachtspeicherheizungen. Auch die Wärmeisolierung der Fenster und Wände lässt zu wünschen übrig. Das führt dazu, dass ein Absinken der Temperatur im Winter um ein Grad Celsius zu einem zusätzlichen Stromverbrauch von 2.300 Megawatt führt.

In Deutschland dagegen werden mittlerweile 51 Prozent der Heizungen mit Gas betrieben, wie der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft mitteilt. Außerdem sind Ölheizungen immer noch sehr verbreitet. Obendrein wird viel Fernwärme aus Kraftwerken abgezapft.

Frankreich musste am Dienstag rund 4.000 Megawatt importieren, denn von den 58 Atomkraftwerken liefen nur 52. Vor allem in der Bretagne ist die Situation angespannt, weil die Region 92 Prozent ihres Stromverbrauchs aus anderen Landesteilen beziehen muss. Windräder sind in Frankreich noch eine Seltenheit, selbst am stürmischen Atlantik. Die Bretonen wurden daher aufgefordert, möglichst zwischen 18.00 und 20.00 Uhr keine Wasch- und Spülmaschinen sowie Wäschetrockner zu verwenden. Deutschland hat dagegen in den vergangenen Jahren immer mehr Strom exportiert als importiert.