Strategien

Behörden wollten Asse-Besucherzahlen offenbar drücken

Bundesforschungsministerium und Bergbehörden hatten nach einem Bericht der "Braunschweiger Zeitung" offenbar Angst, dass durch Besuchergruppen in der Asse das Laugenproblem zu stark diskutiert werden würde. Unterdessen wurden weitere Messstellen für Umweltradioaktivität eingerichtet.

Stromnetz© Thomas Aumann / Fotolia.com

Hannover/Remlingen (ddp/red) - Der frühere Bundesforschungsminister Jürgen Rüttgers (CDU) sollte hingegen mit dafür sorgen, dass der Besucherbetrieb in der Asse wieder ausgeweitet wird. Das geht aus einem Schreiben eines Preussen-Elektra-Vorstandsmitglieds an Rüttgers vom März 1997 hervor, das der Zeitung vorliege.

"Das persönliche Erleben und der direkte Kontakt sind ein ganz wesentlicher Aspekt der Öffentlichkeitsarbeit", heißt es darin. Im Namen der Ernergieversorger wird um einen "Zusatzbetrag" für die Finanzierung gebeten. Die Asse war dem Ministerium unterstellt. Experten des Ministeriums warnten nach der Anfrage intern aber vor einer Störung der Arbeiten zur Verfüllung der Asse, falls zu viele Besuchergruppen kämen.

Weiter heißt es, die Bergbehörde fordere wegen des seit 1988 festgestellten Laugenzutritts Arbeiten zum sicheren Einschluss der Abfälle. "Nach einem Gespräch (...) mit dem neuen Präsidenten des Oberbergamtes (...) bestand Einvernehmen darin, dass eine öffentliche Diskussion der Laugenzutritte vermieden werden sollte." Diese Punkte zeigten, dass eine umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit in der Asse nicht möglich und auch nicht zweckmäßig sei, so ein interner Vermerk.

Unterdessen berichtet das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) über die Installation zweier neuer Messstellen zur Überwachung der Umweltradioaktivität in der Umgebung des Atommüll Lagers Asse installiert. Sie befinden sich 25 Kilometer vom Bergwerk entfernt in den Ortschaften Cremlingen und Schöppenstedt, wie die Behörde am Freitag mitteilte. Rund um die Asse gab es bislang Messstellen in Kissenbrück, Wolfenbüttel, Ingeleben, Homburg, Königslutter sowie auf der Schachtanlage selbst.

Bundesweit gibt es etwa 1800 solcher Messstellen. Die Zentralstelle des Bundes für die Überwachung der Umweltradioaktivität beim BfS prüft die Daten und bereitet sie dann für jeden Messpunkt in Form von Tabellen auf. Die ermittelten Werte können über das Internet (bfs.de) abgefragt werden.