Wettbewerbsumfeld

Bedenken wegen Übernahmen von Nuon und Essent

Die Nuon und Essent-Übernahmen schwächen den Wettbewerb auf den Strom- und Gasmärkten, befürchtet man nicht nur beim VIK. Doch eine aktuelle Analyse zeigt, dass die jüngste Entwicklung den existierenden Wettbewerb nicht nachhaltig beeinflussen muss.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Essen/München (sm) - Die von RWE und Vattenfall angekündigten Übernahmen der niederländischen Energieversorger Essent und Nuon würden sowohl heute als auch morgen den Wettbewerb auf dem Strom- und Erdgasmärkten erheblich schwächen. Sie nähmen zwei ernst zu nehmende Wettbewerber aus dem deutschen Markt heraus und behinderten die Entwicklung eines wettbewerblichen europäischen Energiemarktes, warnt der VIK, die Interessenvertretung der industriellen und gewerblichen Energiekunden. Andere Verbände äußerten sich ähnlich.

Mit Essent und Nuon würden wettbewerblich sehr aktive Strom- und Erdgasanbieter von zwei der ganz großen Vier aufgesogen, die bereits in den letzten Jahren sehr aktiv Strom- und Erdgasmarktanteile zusammenkauften. "Der deutsche Endkunde wird derzeit noch durch interessante Angebote von 'lekker' Strom zum Lieferantenwechsel und damit zur Belebung des Wettbewerbs angeregt. Und auch größere deutsche Industriekunden finden bei den beiden agilen niederländischen Akteuren im deutschen Markt gegenwärtig noch interessante Alternativen zu den angestammten Anbietern", so VIK-Geschäftsführer Dr. Alfred Richmann.

Bei tatsächlicher Vollendung des EU-Binnenmarktes im Strom- und Gasbereich würden diese Übernahmen die Wettbewerbslandschaft in Europa aus Sicht des Verbands jedoch weiter schwächen: Denn eine Öffnung der Grenzkuppelstellen zu den Niederlanden - nach vollzogenen Nuon- und Essent-Übernahmen - ließe den Wettbewerb gänzlich ins Leere laufen, da die großen Energieversorger von jenseits der Grenze diesseits ja schon da wären.

Die angekündigte Übernahme von Nuon durch Vattenfall hat auch Verbraucherschützer und Politiker aufgeschreckt. Der Bund der Energieverbraucher (bde) hält die Übernahme mit Blick auf die Konkurrenzsituation im deutschen Energiemarkt für "bedenklich". Eine aktuelle Analyse der Marktforscher von Consline zeigt jedoch, dass die jüngste Entwicklung im Strom- und Gasbereich den existierenden Wettbewerb nicht nachhaltig beeinflussen muss. Die Energieversorger - gleich welcher Art und Größe - müssen sich demzufolge weiterhin auf ein immer wettbewerbsintensiveres Marktumfeld einstellen.

Zwar werde die Konsolidierung im Strom- und Gasmarkt nicht zuletzt durch die Übernahme von Essent durch RWE vorangetrieben. Andererseits träten aber immer neue Marktteilnehmer in Erscheinung, die den etablierten Konzernen bzw. ihren Vertriebsmarken die Kunden streitig machen. So würden Regionalversorger und größere Stadtwerke mit ihren Vertriebsmarken weiter Bewegung in den Markt bringen. Zum anderen bauten ausländische Unternehmen wie die EnergieAllianz Austria und die dänische Dong ihre Aktivitäten aus, so Consline.

Die großen Energieversorger wie auch die Anbieter "aus der zweiten Reihe" müssten sich aber auf noch stärkere Konkurrenz einstellen - und zwar durch zahlreiche, wirklich neue Anbieter und bisher branchenfremde Firmen (etwa Relaxgas, Bürgergas, goldgas, MaxEnergy, Energiegenossenschaften). Auch kleine Stadtwerke, die sich zu Vertriebsallianzen zusammenschließen, würden ihre Vermarktungsgebiete ausweiten, so die Analyse.