Standpunkt

BDI für breiten Energiemix mit der Option Kernenergie

"Bisher hat uns noch keiner gesagt, wie nach Auslaufen der Kernenergienutzung der Grundlastbedarf bei der Stromversorgung gedeckt werden soll." Aus diesem Grund sprach sich Dr. Carsten Kreklau vom BDI für die weitere Nutzung der Kernenergie aus. Er sprach auf einer Veranstaltung des Deutschen Atomforums.

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Im Rahmen der regelmäßig vom Deutschen Atomforum e.V. (DAtF) organisierten Veranstaltung "Forum in Berlin" sprach kürzlich Dr. Carsten Kreklau, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), über die Position seines Verbandes zur Energiepolitik und zur Energiemarktliberalisierung.

Vor rund 70 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung betonte er, dass es nach Auffassung des BDI erforderlich sei, die Option Kernenergie offen zu halten. Zur Sicherung der Energieversorgung seien angesichts der zu erwartenden Entwicklungen in der Welt alle technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten zu nutzen, so Kreklau weiter.

Das Deutsche Atomforum begrüßte diesen Rückhalt aus der Industrie. Zwar sichere die mit der Bundesregierung getroffene Vereinbarung den weiteren Betrieb der Kernkraftwerke und damit eine stabile, wirtschafts- und klimafreundliche Stromversorgung mittelfristig. Um die Energieversorgung in Deutschland auch langfristig sicherzustellen, bedarf es jedoch endlich eines machbaren energiepolitischen Gesamtkonzepts. Hierbei kategorisch auf die Kernenergie zu verzichten, ist nach Auffassung des DAtF angesichts anspruchsvoller Klimaziele sowie der Gefahr einseitig wachsender Rohstoffabhängigkeiten und steigender Energiepreise kurzsichtig und riskant.

Diese Auffassung scheint auch der BDI zu teilen. Dr. Kreklau: "Bisher hat uns noch keiner gesagt, wie nach Auslaufen der Kernenergienutzung der Grundlastbedarf bei der Stromversorgung gedeckt werden soll. Heute haben Kernkraftwerke an der Grundlastdeckung mehr als 50 Prozent Anteil, Braunkohlekraftwerke und Laufwasserkraftwerke tun ein Übriges. Aber diese Funktionen können nicht durch Windkraftanlagen oder KWK-Anlagen übernommen werden." Die Entscheidung des Gesetzgebers, den Neubau von Kernkraftwerken zu verbieten, halte der BDI auch deshalb für falsch, weil Deutschland sich mit dem Ausstieg aus der Kernenergie von einer technologischen Entwicklung in der Welt abkopple, in der die Bundesrepublik mit ihren Sicherheitsstandards eine Benchmark für andere gesetzt hat, so Kreklau. Darüber hinaus werde ein Energieträger preisgegeben, der in der Stromerzeugung kostengünstig ist und in der Vergangenheit dazu beigetragen hat, unser großes Strompreishandicap zu mildern.