Klimaschutz-Studie

BDI: 40 Prozent CO2-Reduktion nur mit Kernkraft

Die deutsche Industrie will beim Klimaschutz mit der Bundesregierung zusammenarbeiten, hält aber deren Ziele für zu ehrgeizig. BDI-Präsident Jürgen Thumann sagte, die anvisierte CO2-Reduzierung um 40 Prozent bis 2020 gegenüber 1990 sei nur unter Beibehaltung der Kernenergie zu erreichen.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Die Unternehmensberatung McKinsey hat im Auftrag des BDI rund 300 Maßnahmen auf Kosten und Potenziale der Vermeidung von CO2-Emissionen untersucht. Der Deutschlandchef von McKinsey, Frank Mattern, erläuterte, eine Reduzierung der CO2-Emissionen bis 2020 um 30 Prozent sei "sehr anspruchsvoll", aber mit den heute vorhandenen Technologien sowie ohne Einbußen bei Wirtschaftswachstum und Lebensqualität machbar. Die Studie geht dabei von der Beibehaltung des Ausstiegs aus der Kernkraftnutzung aus.

Das größte CO2-Vermeidungspotenzial liegt der Studie zufolge im Gebäudebereich. 90 Prozent der Maßnahmen zur Wärmedämmung und zur effektiven Heizung und Beleuchtung wären auch wirtschaftlich. Mattern wies allerdings auf die Kosten für die Hauseigentümer hin.

Thumann unterstrich, die deutsche Industrie stelle sich den Herausforderungen des Klimawandels und verstehe sich als Partner für die Regierung. Wachstum und nachhaltiger Klimaschutz seien parallel möglich. Der Chef warnte aber, jedes Prozentpunkt über die 30-prozentige CO2-Reduktion hinaus koste sehr viel Geld. 40 Prozent weniger CO2 bis 2020 seien nur mit längeren Laufzeiten der Kernkraftwerke möglich. Ansonsten bedeute die Festlegung auf 40 Prozent, dass große Teile der deutschen Industrie das Land verlassen und Millionen Arbeitsplätze wegfallen würden.

Bundesumweltministerium begrüßt BDI-Studie

Das Umweltministerium sieht in der Studie "eine Reihe von interessanten Ansätzen" für eine engere Zusammenarbeit zwischen Politik und Wirtschaft. Umweltstaatssekretär Matthias Machnig hob hervor, es zeige sich, dass Klimaschutz nicht nur bezahlbar sei, sondern auch oft zu großen Einsparungen führe. Die Haltung zur Atomkraft teilte das Ministerium aber nicht. Dagegen sagte Unions-Fraktionsvize Katherina Reiche (CDU), wer sich ernsthaft mit dem Klimaschutz auseinandersetze, dürfe die Frage längerer Laufzeiten der Meiler "nicht länger ausklammern".

Greenpeace-Energieexperte Jörg Feddern begrüßte, die Chefetagen der deutschen Industrie hätten verstanden, dass sie bei der Bekämpfung des Klimawandels die Hauptrolle spielen. Es müsse jedoch beim Ziel der 40-prozentigen Reduzierung bleiben. Den Weg dazu zeige die Studie nicht.

Opposition verlangt Taten und nicht nur Worte

Unterdessen drängt die Opposition Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), ihren klimapolitischen Ankündigungen in New York Taten zu Hause folgen zu lassen. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast betonte, Merkel bleibe unglaubwürdig, wenn sie international "nur wohlklingende Worte formuliert, sich in Berlin jedoch vor konkretem Handeln drückt". Auch die Parlamentarische Geschäftsführerin der Links-Fraktion, Dagmar Enkelmann, sagte: "Sich international als Klimaschützerin aufzuspielen, ist zu wenig. Im eigenen Land die Hausaufgaben zu machen - darauf kommt es heute an."

Gudrun KOPP, energiepolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, nutzt das Ergebnis der Studie für ein Kernkraft-Plädoyer. Ohne diese sei ein effektiver und effizienter Klimaschutz "nicht vorstellbar". "Treibhausgase sollten dort eingespart werden, wo dies am kostengünstigsten möglich ist", so die FDP-Politikerin weiter, eine AKW-Laufzeitverlängerung sei deshalb "unabdingbar", um Unternehmen und Verbraucher nicht "mit immer höheren Kosten" zu belasten.

Die Vermeidungskosten für CO2 steigen jenseits von 25% im Jahre 2020 exponentiell an. Wird unter diesen Bedingungen eine Reduzierung über 30% hinaus angestrebt, so ist dies zu vertretbaren Kosten nicht ohne die Kernenergie machbar.