Inakzeptabler Zustand

BdE zum Benchmarkreport: Verbraucher sollten Preise selbst senken

Der Wettbewerb auf dem deutschen Strom- und Gasmarkt funktioniert nicht und schon für April rechnet der Gas-Bundesverband mit einer erneuten Gaspreissteigerung - für den Bundesverband der Energieverbraucher ist das Anlass genug, die Verbraucher erneut aufzufordern, die Preissteigerungen zu boykottieren.

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Rheinbreitenbach (red) - Gestern hat die EU-Kommission dem deutschen Energiemarkt in ihrem vierten Benchmarketing-Report ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Das hat der Bund der Energieverbraucher (BdE) zum Anlass genommen, die Verbraucher erneut aufzufordern, selbst aktiv zu werden.

Die Umsetzung der neuen Binnenmarkt-Richtlinien werde als enttäuschend und unbefriedigend bezeichnet. Die Netznutzungsentgelte für Haushaltsstrom lägen in Deutschland um 53 Prozent (knapp zwei Cent je Kilowattstunde) über dem Durchschnitt aller EU-Länder. Und auch die Strom- und Gaspreise an sich seien höher als in anderen EU-Ländern, zitiert der BdE den Report der Kommission.

"Der EU-Bericht bestätigt, dass die deutschen Verbraucher weit über Gebühr zur Kasse gebeten werden. Und er beziffert, in welcher Größenordnung die Preise in Deutschland überhöht sind. Deutlich wird auch, dass die jüngsten Strom- und Gaspreiserhöhungen eine deutsche Spezialität sind. Statt bis zum Jahr 2008 auf den Regulierer zu warten, sollten Verbraucher ihre Preise selbst auf ein angemessenes Niveau senken. Das Zivilrecht gibt dazu oft eine bessere Grundlage als das überaus komplizierte und in Überarbeitung begriffene Energierecht", fordert BdE-Chef Dr. Aribert Peters die deutschen Verbraucher zum eigenmächtigen Handeln auf.

Gleichzeitig kritisierte er, dass in Deutschland wenige Maßnahmen zu Verbraucherschutz umgesetzt würden. So geben es beispielsweise in Belgien, Frankreich oder Irland Tarife für sozial schwache Haushalte. Auch das Beschwerdemanagement und die Reaktionszeit auf Kritik sei in vielen Ländern geregelt, während Deutschland in diesem Bereich über keinerlei Regeln verfügt.

Unterdessen hat der Präsident des Gasverbandes BGW, Uwe Steckert, die schlechte Stimmung weiter geschürt. In der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (WAZ) sagte er, dass die Gaspreise vermutlich schon im April erneut steigen werden. Der Rückgang des Ölpreises, an den der Gaspreis gekoppelt ist, sei zuletzt "nicht stark und nachhaltig genug" gewesen. Er kritisierte zudem den Preis-Boykott, zu dem Verbraucherverbände, allen voran der Bund der Energieverbraucher, aufgerufen haben. Er schloss Klagen nicht aus und sagte: "Was wir erleben, ist ein Boykott mit sittenwidriger Schädigungsabsicht. So etwas kann ein Stadtwerk letztlich kaputt machen." Peters hingegen sieht dem Bericht zufolge den Klagen gelassen entgegen, da die Unternehmen in diesen Fällen dann ihre Kalkulation offenlegen müssten.