Bayernwerk bundesweit mit neuen Tarifen - Auch Preise für Wärmestrom sinken - 2000 Stellen werden abgebaut

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com
Mit "Power private" und "Power family" steigt das Bayernwerk ab dem 1. September bundesweit in das Strom-Privatkundengeschäft ein. Der Grundpreis bei "Power private", dem Angebot für Single- und Zwei-Personen-Haushalte, beträgt 4,95 Mark im Monat, der Preis für die Kilowattstunde Strom liegt bei 28,50 Pfennigen. Das "Power family"-Angebot für Familien setzt sich aus einem Grundpreis von 17,95 Mark und einem Kilowattstundenpreis von 23 Pfennigen zusammen. Kunden, die sich für eines der beiden Angebote entscheiden, binden sich zunächst nur für einen Zeitraum von drei Monaten ans Bayernwerk, sodann besteht die Möglichkeit der monatlichen Kündigung. Parallel zu den beiden Privatkundentarifen senkt das Bayernwerk mit sofortiger Wirkung den Preis für Wärmestrom um bis zu 30 Prozent - ein attraktives Angebot in diesem Wachstumsmarkt. "Wir halten es für ein Gebot der Fairness gegenüber unseren Kunden, sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht langfristig festlegen zu müssen", sagte Bayernwerk-Vertriebsvorstand Egon Mühlberger gestern im Rahmen einer Pressekonferenz in München. "Wir wollen die Kunden nicht an uns ketten, sondern unsere Kunden sollen sich bei freier Auswahl immer wieder für uns entscheiden". Vorstandsvorsitzender Dr. Otto Majewski kündigte an, im Zuge einer `Verschlankung" rund 2000 Stellen im
Unternehmen abbauen zu wollen - in den kommenden zwei Jahren.



"Stromwettbewerb ist in Deutschland Realität - und zwar für alle Kundengruppen", hatte zuvor Dr. Otto Majewski, Vorstandsvorsitzender des Bayernwerks, gesagt. Das Bayernwerk liege im liberalisierten Strommarkt gut im Rennen - sowohl hinsichtlich der Vertriebsstärke als auch hinsichtlich der Kostenposition. Majewski weiter: "Der Kraftwerkspark ist hochwettbewerbsfähig, ebenso die Durchleitungsentgelte unserer neuen Netzgesellschaft. Zum 1. September nimmt unsere neue Vertriebsgesellschaft ihre Arbeit auf. Mit ihren drei Bereichen Großkundengeschäft, Massengeschäft und Regionalgeschäft haben wir sie ganz auf die Bedürfnisse des neuen Marktes zugeschnitten". Die neue Vertriebsgesellschaft sei der wichtigste Vertriebskanal der Bayernwerk AG - aber nicht der einzige. "EuroPower Energy" beispielsweise, das dem Bayernwerk und der Metro-Gruppe gehört, akquiriere vor allem bei größeren Industriekunden. Im Wettbewerb habe die Bayernwerk AG bislang mehr Neukunden gewonnen als verloren - das Verhältnis, so Majewski, liege bei 3,5 zu 1 - darunter zahlreiche Industriekunden, Kettenkunden und Bündler.



Den etwa zwei Millionen "traditionellen Kunden", die den angestammten Marken des Bayernwerk-Konzerns treu bleiben wollten - darunter etwa OBAG, IAW, ÜWU oder TEAG, offeriere das Bayernwerk "eine ganze Reihe attraktiver Incentives". In deren Mittelpunkt stehe die Senkung der Tarifkundenpreise, zudem belohne man Kundentreue und Kundenbindung "künftig noch stärker" Die beiden neuen Tarife richteten sich an Kunden außerhalb der originären Bayernwerk-Versorgungsgebiete sowie an Personen, "die den Strommarkt einfach einmal ausprobieren wollen".



Der Bayernwerk-Chef räumte ein, dass sein Unternehmen durch den neuen Wettbewerb auf dem Strommarkt `unter Druck" komme. Dennoch werde das Unternehmen auch im laufenden Jahr "ein sehr ordentliches Ergebnis vorlegen" können. In den nächsten zwei Jahren sollen im Rahmen einer Umstrukturierung, Verschlankung und Kostenoptimierung "Überkapazitäten" von rund 2000 Stellen
abgebaut werden sollen. "Der Arbeitsplatzabbau soll sozial verträglich gestaltet werden, ohne betriebsbedingte Kündigungen", betonte Majewski. So soll unter anderem betriebsintern eine Jobbörse eingerichtet werden.



"Bei der Gestaltung unserer neuen Produkte haben wir uns nicht von der Farbenlehre des Stroms leiten lassen. Der Strom heißt bei uns Bayernwerk", stellte Vorstandsmitglied Mühlberger eingangs seiner Ausführungen mit Blick auf die "blaue" und "gelbe" Konkurrenz klar. Die beiden neuen Tarife würden dem Kunden Sicherheit, attraktive Preise, eine faire Partnerschaft sowie einen 24-Stunden-Service über das ganze Jahr hinweg bieten.



Mit "Power private" habe man den bislang hohen Grundpreis für 1- oder 2-Personen-Haushalte "radikal gekappt", da dieser bei einem relativ geringem Absatz an Kilowattstunden vehement durchgeschlagen habe - und tatsächlich gelingt es Bayern mit diesem Angebot unter dem vermeintlichen Dumping-Preis von "Yello Strom" zu bleiben (Modellrechnung mit 1400 Kilowattstunden).



"Power family" wendet sich an 4-Personen-Haushalte und schlägt mit einem Grundpreis von 17,95 Mark sowie 23 Pfennigen je Kilowattstunde zu Buche. "Ideal für den bei einer Durchschnittsfamilie höheren Stromverbrauch", sagte Mühlberger. Bei "Yello Strom" kommt der Kunde - einen Verbrauch von 4000 Kilowattstunden angenommen - zwar günstiger weg, doch trumpft die Bayernwerk AG mit einer nur 3-monatigen Vertragslaufzeit, einer monatlichen Kündigungsfrist sowie einem ausgereiften Service-Angebot auf. "Es ist ganz bewusst die Strategie, nicht nur auf den Preis zu setzen. Es gibt auch andere wichtige Faktoren für den Kunden in diesem Bereich", sagte Mühlberger.



Die Bayernwerk-Vertriebs Gmbh geht offiziell am 1. September an den Start.



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Thomas Liebau