Kapazitätsproblem

Bayern weiß nicht mehr wohin mit seinem Solarstrom

Der Herbstanfang zeigt sich wettertechnisch bisher mit viel Sonnenschein von seiner besten Seite. Doch die vielen Sonnenstunden sorgen für Kopfzerbrechen bei den Netzbetreibern, denn tagsüber wird viel mehr Strom ins Netz eingespeist als das Land verbrauchen kann.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

München (red) - Die über 300.000 Photovoltaik-Anlagen in Bayern erzeugen um die Mittagszeit Strom auf Hochtouren, aber nur dann. "Die Photovoltaik wird in Bayern im Jahr 2011 voraussichtlich mit über 8 Prozent zur Deckung des Stromverbrauchs beitragen. Damit haben wir erst die Hälfte der im Bayerischen Energiekonzept geforderten Stromerzeugungsmengen erreicht und schon jetzt wissen wir vor allem an schönen Wochenenden nicht wohin mit dem Strom aus den Photovoltaikanlagen," sagte Norbert Breidenbach, Vorsitzender des Verbands der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft (VBEW).

Solarenergie sorgt für Überkapazitäten

Das im Mai 2011 vorgelegte Bayerische Energiekonzept der Staatsregierung sieht vor, dass die Photovoltaik bis zum Jahr 2021 über 16 Prozent des Stromverbrauchs decken soll. Aufgrund weiterhin attraktiver Förderbedingungen sind in Bayern bereits über 300.000 Photovoltaikanlagen mit einer Spitzenleistung von fast 7.000 MW an das Netz angeschlossen. Im Winter, wenn die Solarenergie oft witterungs- und tageszeitbedingt überhaupt nicht zur Verfügung steht, wird zur Deckung des Stromverbrauchs in Bayern rund 12.000 MW Leistung benötigt. Andererseits produziert die Photovoltaik zu Schwachlastzeiten an Wochenenden um die Mittagszeit regelmäßig mehr Strom als im Bundesland überhaupt verbraucht wird, so der Verband weiter.

Es fehlt das Netz, es fehlen Speicher

Aufgabe der bayerischen Netzbetreiber ist es, gemäß dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) Strom aus erneuerbaren Energien vorrangig vor allen anderen konventionellen Stromerzeugungsanlagen in die Netze aufzunehmen und dabei die Stabilität der Versorgung zu gewährleisten. Eine Aufgabe, die zu lösen jeden Tag schwieriger werde, da die Erzeugungsanlagen schneller hinzugebaut werden, als Netz- und Speicherausbau überhaupt unter den derzeitigen Randbedingungen vorankommen können. Denn der schnelle Umbau der Energieerzeugung fordere erhebliche Investitionen in die Infrastruktur.

Laut Detlef Fischer, Geschäftsführer des VBEW, müsse jetzt "mit Hochdruck" an der Systemintegration gearbeitet werden. Die Photovoltaik-Anlagenbetreiber müssten zukünftig auch in Kauf nehmen, dass zur Sicherstellung der Systemstabilität in das Erzeugungsvermögen der Anlagen eingegriffen wird.