Zwischenfall Krsko

Bayern: Opposition warnt vor Atomenergie - Umweltminister: Keine Gefahr

Nach dem Zwischenfall im slowenischen Atomkraftwerk Krsko schlägt Bayerns Opposition Alarm. Die SPD kritisierte die Staatsregierung für das Festhalten an der Atomenergie. Umweltminister Bernhard sieht nach dem Zwischenfall keine Gefahr für Bayern. "Es muss sich wirklich niemand Sorgen machen", sagte er.

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München (ddp-bay/sm) - Der CSU-Umweltminister betonte, nach allem, was man bisher wisse, hätten die Sicherheitssysteme in dem Kernkraftwerk funktioniert. Laut Umweltministerium blieben die Messwerte im landesweiten Messnetz für Radioaktivität bei allen 31 Stationen innerhalb der natürlichen Schwankungsbreite. Bernhard zufolge wurde das Kühlwasser im Reaktor in Krsko gehalten und gab keine radioaktive Strahlung nach außen. Der CSU-Politiker bekräftigte zudem, dass Atomkraftwerke - auch die bayerischen - sicher seien. "Auch der Reaktor in Slowenien ist westlicher Bauart, also ein moderner Reaktor, der entsprechende Sicherheitssysteme hat." In der Öffentlichkeit sei der Eindruck entstanden, es handele sich um einen Atomunfall. Das sei aber nicht der Fall.

Die Grünen forderten Umweltminister Otmar Bernhard (CSU) dazu auf, dem Landtag über Hintergründe des Vorfalls und die möglichen Gefahren für die Menschen im Freistaat zu berichten. Die energiepolitische Sprecherin der Grünen, Ruth Paulig, warnte: "Bayern ist das Bundesland, dass durch die Nähe zu Slowenien ganz besonders von einem Unfall betroffen wäre." Nach Ansicht von Experten sei es für eine komplette Entwarnung zu früh. Der Vorfall lasse viele kritische Fragen offen. "Schon jetzt ist klar, dass es bei der Bewältigung des Störfalls zu gravierenden Informationspannen gekommen ist", betonte Paulig. Die Grünen wollten "dringend wissen, welche Informationen wann an die bayerischen Behörden ergangen sind".

Die energiepolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Susann Biedefeld, betonte: "Atomkraft darf keine Zukunft haben, auch nicht in Bayern." Die CSU wolle mit "Panikmache" vor einer angeblichen Versorgungslücke die Atomkraft "salonfähig machen". Stattdessen solle die Staatsregierung die berechtigten Ängste vieler Menschen von den Risiken der Atomkraft ernst nehmen. Krsko gelte als "im Grunde gutes Kraftwerk", monierte Biedefeld. Das tschechische Atomkraftwerk Temelin, das "direkt vor der Haustür" liege, habe inzwischen seinen 65. Störfall gemeldet.

Das Umweltinstitut München, einem Verein zur Erforschung und Verminderung der Umweltbelastung, beklagte, die Entwarnungen seien zu früh verbreitet worden. "Das Leck konnte offenbar noch nicht gefunden werden", sagte Vorstand Christina Hacker. Um es zu lokalisieren und zu reparieren, müsse der Reaktor weiter abkühlen. Wenn der Wasserverlust allerdings zu hoch und die Kühlung nicht mehr gewährleistet sei, bestehe die Gefahr einer Kernschmelze. Dann seien radioaktive Freisetzungen nicht mehr ausgeschlossen.