Optimistisch

Bayern: Aus Landwirten werden Energiewirte

Die bayerischen Bauern setzen angesichts steigender Preise für fossile Brennstoffe zunehmend auf die Produktion von Bioenergie. Energie aus Biomasse biete der Land- und Forstwirtschaft einen "interessanten Zukunftsmarkt", so der Präsident des bayerischen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner, am Dienstag in München.

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München (ddp-bay/sm) - Sonnleitner betonte, der Bedarf an Energie sei groß, während die fossilen Energievorräte langsam zu Ende gingen. Daher sei die Rolle der Landwirte als Energiewirte für die Erzeugung von Biomasse, Biodiesel oder Biogas noch ausbaufähig. Derzeit wird dem Verbandschef zufolge 4,4 Prozent des Primärenergieverbrauchs im Freistaat aus Biomasse gedeckt. Damit sei die Biomasse vor der Wasserkraft der bedeutendste regenerative Energieträger. Sonnleitner warnte aber zugleich vor "blinder Euphorie" in Bezug auf nachwachsende Rohstoffe und Bioenergie.

Der Verbandspräsident sieht zugleich den Vorteil einer Stärkung der Wirtschaft im Maschinen- und Anlagenbau. Bauern sollten sich allerdings nicht zu Dienstleistern von Anlagenbesitzern machen, die den Landwirten die Infrastruktur zur Produktion von Biokraftstoffen stellten und den Ertrag anschließend selbst vermarkteten, forderte Sonnleitner. Die Anlagen sollten in der Hand der Bauern bleiben.

Ethische Bedenken bei der Gewinnung von regenerativer Energie durch die Verbrennung von Getreide seien unbegründet, betonte Sonnleitner. Auch die Kirchen lehnten nach Gesprächen mit dem Bauernverband die Getreideverbrennung nicht mehr ab.

Der Schwerpunkt der bayerischen Bauern bleibe aber die Erzeugung von Nahrungsmitteln, unterstrich Sonnleitner. Dabei habe die EU-Osterweiterung bedeutende neue Märkte geschaffen. "Der bayerische Export in die neuen EU-Länder ist im Vergleich zum Jahr 2003 um knapp 80 Prozent auf 395 Millionen Euro gestiegen", sagte er. Insgesamt habe die bayerische Landwirtschaft im Ende Juni 2006 zu Ende gegangenen Wirtschaftsjahr 2005/06 Waren im Wert von mehr als fünf Milliarden Euro exportiert.

Die rund 200 000 Erwerbstätigen in der Landwirtschaft erwirtschaften dem Bauernverband zufolge einen jährlichen Umsatz von rund 33 Milliarden Euro und sind damit nach der Autoindustrie und dem Maschinenbau die drittstärkste Branche in Bayern.

Von Alexandra Burck