Klimagipfel in München

Bayerische Kirchen treten Klima-Allianz mit Staatsregierung bei

Die evangelische und die katholische Kirche im Freistaat, die bayerische Staatsregierung und der Bund Naturschutz (BN) ziehen künftig in einem "Klimaschutzbündnis" an einem Strang. Eine entsprechende Vereinbarung wurde am Donnerstag im Rahmen des zweiten bayerischen Klimagipfels unterzeichnet.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

München (ddp-bay/sm) - In der in München von Kardinal Friedrich Wetter, Landesbischof Johannes Friedrich, Ministerpräsident Edmund Stoiber und Umweltminister Werner Schnappauf (beide CSU) feierlich unterzeichneten Erklärung verpflichten sich die Repräsentanten von Kirche und Staat, dem Klimawandel entgegenzuwirken. Kardinal Wetter rief zum schonenden Umgang mit der Schöpfung auf. Der globale Klimawandel fordere den verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen der Erde. Dem Klimawandel entgegenzuwirken sei ein "sittliches Gebot", das sich aus der Verantwortung für das eigene Handeln und die Sorge um künftige Generationen herleite.

Landesbischof Friedrich sagte, beim Klimawandel handele es sich nicht allein um ein ökonomisches oder technisches Problem, sondern um eines, das "unsere elementare Wertorientierung" angehe. Gleichzeitig rief er zu einer maßvolleren Lebensführung auf.

Ziel des gemeinsamen Engagements von Kirche und Staat sei es, die Bereitschaft zur Verantwortung für die "Schöpfung und die Mitmenschen" zu wecken und zu fördern. Der Schutz des Klimas ist nach den Worten Kardinal Wetters "vor allem eine Frage der Gerechtigkeit". Denn vom Klimawandel insbesondere betroffen seien arme Länder, die selbst wenig zum Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase beitrügen, sich aber selbst kaum vor den Folgen schützen könnten.

Stoiber hob die Bedeutung einer "modernen Umwelt- und Energiepolitik" hervor. Bayern müsse weiter ein Vorreiter sein für "gesunde Luft, sauberes Wasser und beim Schutz des Klimas". "Bayern ist bei den immer wichtiger werdenden regenerativen Energien so modern wie kein anderes Land", so Stoiber. Mit 20 Prozent hätten die erneuerbaren Energien im Freistaat bereits heute einen fast dreimal so hohen Anteil an der Stromversorgung wie in Deutschland insgesamt. Diesen Weg wolle er konsequent weitergehen.

Die Umweltexpertin der Grünen-Landtagsfraktion, Ruth Paulig, nannte den zweiten Klimagipfel einen "lauwarmen Aufguss". Paulig kritisierte, dass sich Stoiber und Schnappauf als Klimaschützer feiern ließen, während sie sich am Kabinettstisch für die Ausweitung des Flugverkehrs, für einen Transrapid und gegen den Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs entschieden. Die "vollmundigen Ankündigungen zur Klima-Verbesserung" und die Realität klafften weit auseinander.

Der Präsident des Deutschen Naturschutzring (DNR), Hubert Weinzierl, forderte vor allem von Kardinal Wetter eine klare Aussage gegen die "schöpfungsfeindliche Atompolitik", anstatt der "bisher gezeigten willfährigen Unterstützung des Stoiberschen Kernkraftkurses". Die Zukunft liegt nach Ansicht des DNR-Präsidenten im effizienten Einsatz von Energien, "die uns der Himmel nachhaltig schenkt, also Sonne, Wind und andere Erneuerbare".

Die Staatsregierung und der BN hatten im Oktober 2004 auf dem ersten Klimagipfel unter anderem die Verringerung des Ausstoßes des Treibhausgases Kohlendioxid in Bayern bis zum Jahr 2010 um rund zehn Prozent beschlossen. Zum zweiten Gipfel kamen rund 300 Teilnehmer aus Staat, Kirche und öffentlichem Leben.

Von Alexandra Burck