Niederlande

Baustopp für Atomkraftwerk wird positiv aufgenommen

In den Niederlanden wurde der Bau eines geplanten Atomkraftwerks gestoppt. Aus deutscher Sicht wurde die Entscheidung begrüßt. Für Kritik sorgt dagegen weiterhin das Atomprogramm Polens. Man erhofft sich nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima in Europa einen generellen Atomausstieg, etwa nach dem Vorbild Italiens.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Düsseldorf/Dresden/Rom (dapd/AFP/red) - Die Verschiebung des Baus eines geplanten Atomkraftwerks in den Niederlanden stößt auf positive Reaktionen in NRW. "Ich hoffe sehr, dass aus dem vorläufigen Stopp in spätestens drei Jahren ein endgültiger geworden ist", sagte Grünen-Landeschefin Monika Düker am Dienstag über das mögliche AKW in Borssele (Provinz Zeeland). Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) begrüßte die Entscheidung zum Baustopp in den Niederlanden ebenfalls. Angesichts der Nähe zu NRW und möglicher Gefahren für ein niederländisches AKW durch Hochwasser lehne die Landesregierung das Projekt ab.

Der niederländische Energiekonzern Delta hatte am Montag angekündigt, den Bau seines zusammen mit RWE geplanten Atomkraftwerks wegen schlechter Marktstimmung zu verschieben.

Polens Pläne zur Atomenergie stoßen auf Kritik

Während die Meldung aus den Niederlanden positiv aufgenommen wurde, ist an anderer Stelle der Unmut groß über die Atompläne des Nachbarlands Polen. Dort gibt es bislang keine Atommeiler. Um die Abhängigkeit von Kohle und Öl zu verringern, will das Land allerdings zwei Kernkraftwerke errichten, das erste bis zum Jahr 2020. Als mögliche Standorte gelten unter anderem die von Sachsen aus nur wenige hundert Kilometer entfernten Städte Warta-Klempicz, Kopan und Zarnowiec. Polen hatte der Bundesrepublik im Zuge der grenzüberschreitenden Umweltprüfung den Entwurf des Kernenergieprogramms übermittelt.

Von deutscher Seite erntete das Vorhaben viel Kritik. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck hatte Ende November in Warschau in einem Gespräch mit Wirtschaftsminister Waldemar Pawlak unterstrichen, dass er die Energieerzeugung aus Atomenergie grundsätzlich ablehnt. Umweltministerin Anita Tack (Linke) betonte, der Einstieg in die Nutzung der Atomenergie sei zwar in erster Linie eine innerstaatliche Angelegenheit, habe aber auch grenzüberschreitend fundamentale Auswirkungen. So sei ein Kernkraftwerk in Polen unabhängig vom Standort eine potenzielle Gefahr auch für die Brandenburger Bevölkerung.

Rückkehr zur Atomenergie in Italien ist unwahrscheinlich

Auch Italien reagierte auf die Katastrophe von Fukushima mit einer Abkehr von der Atomkraft. Das Land, das nach der Katastrophe in Tschernobyl 1986 im folgenden Jahr aufgrund eines Referendums aus der Atomenergie ausgestiegen war, hatte im Jahr 2008 unter Berlusconi wieder ein Gesetz zur Planung von Meilern für 2020 beschlossen. Doch drei Monate nach der Reaktorkatastrophe haben die Italiener der Atomenergie in einer Volksabstimmung endgültig den Rücken gekehrt. Nach Auszählung der Stimmen aus mehr als der Hälfte der Wahllokale sprachen sich 94,6 Prozent gegen den Wiedereinstieg in die Atomenergie aus.

Nach Einschätzung von Beobachtern erscheint es extrem unwahrscheinlich, dass danach noch einmal eine Regierung den Wiedereinstieg beschließt - nachdem sich die Italiener zweimal binnen 24 Jahren gegen die Atomkraft ausgesprochen haben.