Lösungen gesucht

Baulärm bei Offshore-Windanlagen schädigt Schweinswale

Wissenschaftler sorgen sich wegen des Baus von Offshore-Windenergieanlagen in Nord- und Ostsee um das Wohl der hörempfindlichen Schweinswale. Sie suchen nun nach Lösungen, um den Schall, der beim Rammen dicker Pfähle in den Meeresgrund entsteht, zu minimieren.

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Oldenburg/Wilhelmshaven (ddp-nrd/sm) - Die von Windpark-Baustellen auf See ausgehenden Geräusche könnten für die geräuschempfindlichen Schweinswale in der Nordsee zur Bedrohung werden. "Der enorme Lärm, der durch das Rammen der dicken Pfähle in den Meeresgrund entsteht, kann beim Schweinswal zu Hörschädigungen führen", sagt der Physiker und Akustiker Manfred Schultz von Glahn vom Institut für technische und angewandte Physik (ITAP) in Oldenburg. Die Wissenschaftler sehen den Lebensraum dieses kleinen Tümmlers vor der ostfriesischen Nordseeküste deshalb als gefährdet an.

"Sollten die Wale sich in einem Radius unterhalb von etwa 1700 Metern zur Baustelle aufhalten, kann es für sie schwerwiegende Folgen haben", sagt der Wissenschaftler. Beim ITAP wird in Zusammenarbeit mit der Universität Hannover und dem Deutschen Windenergie-Institut in Wilhelmshaven im Auftrag des Bundesumweltministeriums nach Lösungen geforscht, um den Baulärm auch zum Wohle der Schweinswale zu minimieren.

Die Zeit drängt, denn schon im Sommer soll "alpha ventus", ein Großprojekt der Energieversorger E.ON, EWE und Vattenfall, als erster Offshore-Windenergiepark unter Hochseebedingungen realisiert werden. 45 Kilometer vor der Insel Borkum sollen in zwei Bauabschnitten insgesamt zwölf Windenergieanlagen entstehen.

Richard Czeck von der Nationalparkverwaltung für Meeressäuger sieht durch den Bau der geplanten Offshore-Windparks den Bestand der Schweinswale in Gefahr. Diese würden im besten Falle "nur vertrieben", jedoch seien Hörschädigungen wahrscheinlicher. Da sie ihr Gehört zum Fischfang brauchten, seien sie mit Hörschädigungen nicht lebensfähig.

Schallschutzhülle soll Lärm minimieren

Um den Schall, der beim Rammen der meterdicken Pfähle für die Fundamente von Offshore-Windanlagen in den Meeresgrund entsteht, zu reduzieren, führen Forscher Untersuchungen an einem Testpfahl in der Ostsee vor Travemünde durch. ITAP-Wissenschaftler Schultz von Glahn und seine Forscherkollegen favorisieren zur Schalldämmung eine eine Schallschutzhülle. Diese ist entweder aufblasbar oder besteht aus stark lufthaltigem Material wie Schaumstoff und wird um den Pfahl gelegt. Dadurch werde der Schall im Wasser stark abgeschwächt. Dieses Verfahren sei bereits erfolgreich am Testpfahl vor Travemünde erprobt worden. "Wie es jedoch unter Hochseebedingungen funktioniert, werden wir erst sehen, wenn der erste Offshore-Windpark im Sommer gebaut wird", sagt Schultz von Glahn.

Beim Energiekonzern Vattenfall ist man sich sicher, dass die Geräuschbelästigung durch Bau und Betrieb des Offshore-Windparks vergleichsweise gering ausfallen werde. "Weiteres muss nun durch die ökologische Begleitforschung geklärt werden", sagte Konzernsprecherin Katharina Bloemer.