Optimierte Anlagentechnik

Baubeginn für weltweit modernstes Braunkohle-Kraftwerk

Bis 2010 entsteht in Grevenbroich-Neurath das nach Angaben des Energiekonzerns RWE größte und modernste Braunkohlekraftwerk der Welt. Umweltverbände kritisierten die Maßnahme. Gestern war, im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die Grundsteinlegung für das Projekt.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Grevenbroich (ddp/sm) - Das neue Braunkohlekraftwerk mit so genannter optimierter Anlagentechnik (BoA) wird eine Leistung von 2100 Megawatt haben und mit einem deutlich höheren Wirkungsgrad arbeiten. Dieser liegt nach RWE-Angaben mit 43 Prozent um 13 Prozentpunkte über dem einer vergleichbaren Anlage. Damit wird der Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid um 30 Prozent reduziert. Es soll rund 2000 Menschen Beschäftigung geben. Mit Baukosten von 2,2 Milliarden Euro ist es eines der größten Investitionsprojekte in Deutschland und Teil des RWE-Programms zur Erneuerung seiner Kraftwerke.

Das neue Kraftwerk setze "neue Maßstäbe in der technologischen Entwicklung der Braunkohleverstromung" und sei damit ein wichtiger Beitrag zur Zukunft des rheinischen Braunkohlereviers und zur Energieversorgung in Deutschland, sagte RWE-Vorstandschef Harry Roels vor den rund 200 angereisten Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Es sei zugleich auch "Symbol für eine sichere, von ausländischen Quellen unabhängige Stromversorgung".

Schon jetzt werde ein Viertel des deutschen Strombedarfs durch heimische Braunkohle gedeckt, betonte Roels. Dabei entfielen 15 Prozent der Stromproduktion auf das rheinische Braunkohlerevier. Nach Einschätzung des RWE-Chefs werden neue technische Möglichkeiten die Kohle insgesamt auch künftig zu einem wichtigen Energieträger machen.

So entwickelt RWE derzeit das erste kohlendioxid-freie Kohlekraftwerk der Welt, das 2014 Serienreife haben soll. Möglich werde durch die Abtrennung des Kohlendioxids auch die künftige Gewinnung von Wasserstoff, Gas und Motorentreibstoffen aus der Kohle, erläuterte Roels. Die rheinischen Braunkohlevorräte reichen nach seinen Worten noch "für Generationen".

Auch Merkel betonte, die Braunkohle sei einer der "ganz wesentlichen" Energieträger in Deutschland. Angesichts weltweit wachsender Energieabhängigkeiten müsse es für Deutschland Ziel sein, sich einen möglichst breiten Energiemix zu erhalten und durch moderne Technologie zum Energielieferanten statt Energieimporteur zu werden. Diese Technik könne aber nur exportfähig sein, wenn sie auch im eigenen Land angewendet werde.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) merkte an, ein Verzicht auf die Braunkohle wäre ein "Riesenfehler". Er dankte dem RWE-Konzern, "dass sie diese Investition stemmen" und nannte den Kraftwerksbau einen "Meilenstein in der Umwelttechnologie". Deutschland werde auch künftig große Kraftwerke brauchen. Doch gehe am Ausbau von erneuerbaren Energien kein Weg vorbei.

Umweltverbände protestierten am Mittwoch gegen den Baubeginn. Mit der Grundsteinlegung werde "ein völlig falsches Signal für eine Energiepolitik von gestern, gegen den Klimaschutz und gegen Mensch und Natur" gesetzt, sagte der NRW-Landesvorsitzende des Bunds für Umwelt und Naturschutz, Klaus Brunsmeier.

Greenpeace warf Bundeskanzlerin Merkel vor, sie lege den "Grundstein für weitere Klimazerstörung". Bis heute stürben durch die Folgen des Klimawandels pro Jahr etwa 150 000 Menschen in der Welt. Die Verfeuerung von Braunkohle zur Stromerzeugung verschärfe den Klimawandel "erheblich".

Der Kraftwerksstandort Grevenbroich am Niederrhein besteht aus den beiden Ortschaften Neurath und Frimmersdorf. Die beiden dortigen Braunkohle-Großkraftwerke liefern derzeit eine Gesamtleistung von 4600 Megawatt und machen Grevenbroich damit zum größten Stromerzeugungs-Standort in Deutschland. Das neue Braunkohlekraftwerk entsteht in Neurath und wird nach Fertigstellung die bestehenden fünf Blöcke aus den 1970er Jahren ergänzen. Die noch älteren 150-Megawatt-Blöcke in Frimmersdorf werden mit der Inbetriebnahme des neuen Kraftwerks Neurath abgeschaltet.

Von Frank Bretschneider

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