Grüne Energie

Bau von Offshore Windparks in der Ostsee droht zu scheitern

Der geplante Bau großer Windparks vor der deutschen Ostseeküste droht nach Einschätzung der Stiftung Offshore-Windenergie angesichts unzureichender Rahmenbedingungen zu scheitern.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

Stralsund (ddp-nrd/red) - Es fehlten klare und verbindliche Entwicklungsperspektiven für den Bau und Betrieb maritimer Windparks, sagte Stiftungs-Vorstand Jörgen Thiele am Freitag anlässlich einer Ausstellung der Branche in Stralsund. Erforderlich seien verlässliche, vom Bund geförderte Finanzierungsformen und ein internationaler Masterplan zur Netzwerkentwicklung für Meeres-Windparks.

Offshore Windpark ist wichtig für Wirtschaft

Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) erklärte das Problem zur Chefsache. Die maritime Windnutzung sei für den Nordosten einer der zukunftsträchtigsten und umweltfreundlichsten Wirtschaftszweige, der viele Arbeitsplätze schaffen werde. Vor allem die aktuelle Diskussion um Restlaufzeiten von Kernkraftwerken verunsichere Investoren und Banken. Die Bundesregierung müsse sich klar zu den umweltverträglichen Projekten in der südlichen Ostsee bekennen, forderte der Regierungschef.

Windkraft Ausbau verzogert sich weiter

Nach Ansicht des Vorsitzenden des Vereins Wind Energy Network, Andree Iffländer, wird sich der Bau vieler Windparks durch die Novellierung des Bundesnaturschutzgesetzes noch einmal deutlich verzögern. Teilweise würden bereits erteilte Genehmigungen wieder in Frage gestellt, sagte er. So soll künftig nicht nur das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie (BSH), sondern auch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) in die Genehmigungsprozesse eingebunden werden. Die Behörde verfüge jedoch nicht über die Ressourcen, die anstehenden Anträge zeitlich angemessen abzuarbeiten, sagte der Chef des 65 Unternehmen zählenden Netzwerks.

Insgesamt wollen Energiekonzerne und Investoren vor der deutschen Ostseeküste bis zu 19 Windparks errichten. In Bau befindet sich bislang nur der von EnBW geplante Windpark "Baltic 1" mit 21 Windanlagen nördlich der Halbinsel Fischland-Darß. Ein zweiter Windpark "Baltic 2" soll 2013 nordwestlich von Rügen in Betrieb gehen.

Informationsveranstaltung zum Thema Windkraft

Über die Chancen der maritimen Windkraftnutzung können sich bis Sonntag Besucher im Stralsunder Hafen an Bord des Museumsschiffs "Greundiek" informieren. Die vom Bund und der EU unterstützte Wanderausstellung gibt anhand von Videos, Schautafeln und interaktiven Computeranimationen Auskunft über Ziele, Möglichkeiten und Technologien der Offshore-Industrie. Die kostenlos zu besichtigende Schau soll in diesem Sommer auch noch in Greifswald, Sassnitz und Rostock sowie in Dänemark gezeigt werden.

"Wir wollen die Möglichkeiten der innovativen Energietechnologie vorstellen und noch bestehende Ängste und Bedenken gegen den Bau und den Betrieb der Windparks abbauen helfen", sagte Stiftungs-Geschäftsführer Andreas Wagner. Bereits im vergangenen Jahr hatten sich an der deutschen Nordseeküste 25 000 Bewohner und Urlauber an Bord des Museumsschiffs über die Vorhaben informiert.