Lubmin als Logistikzentrum

Bau der Ostseepipeline beginnt 2008

Der Bau der deutsch-russischen Erdgas-Pipeline durch die Ostsee soll im Frühjahr 2008 beginnen. Das erste russische Gas wird nach Angaben der Betreibergesellschaft NEGP (Nordeuropäische Gaspipeline) voraussichtlich im Oktober 2010 zum Anlandepunkt in Lubmin bei Greifswald (Vorpommern) gepumpt.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Lubmin (ddp/sm) - Das Projekt habe nicht nur für Deutschland, sondern für ganz Westeuropa große Bedeutung, sagte NEPG-Aufsichtsratschef Gerhard Schröder. Der Altkanzler fügte hinzu, das Vorhaben sei eine logische Antwort auf die wachsende Nachfrage nach Erdgas in Europa und die politischen Instabilitäten in potenziellen Lieferländern.

Russland habe sich seit Jahrzehnten als zuverlässiger und stabiler Gaslieferant für Deutschland erwiesen, betonte der ehemalige SPD-Politiker. Zugleich sprach er sich dafür aus, künftig auch bestehende Leitungen durch die Ukraine, das Baltikum und Polen in vollem Umfang weiter zu nutzen. Schröder hatte sich am Montag vor Ort über den künftigen Energiestandort am Greifswalder Bodden informiert und Gespräche mit Investoren geführt.

Nach Angaben von NEPG-Geschäftsführer Matthias Warnig soll der frühere Kernkraftwerksstandort in Vorpommern ein wichtiges Logistikzentrum für den Bau der geplanten Ostsee-Pipeline werden. Vor allem der neue Industriehafen werde eine entscheidende Rolle für die Anlieferung und Bearbeitung der Rohrsegmente für die 1200 Kilometer lange Seeleitung spielen, sagte er. In den nächsten Monaten werde zum Beispiel geprüft, ob in Lubmin eine Produktionsstätte für die Betonummantelungen der Stahlleitung angesiedelt wird. Insgesamt müssten rund 1,4 Millionen Tonnen Stahl verarbeitet werden. Zudem könnte in Lubmin die erforderliche Gasverdichterstation mit einer Leistung von 200 Megawatt errichtet werden.

Warnig versicherte zu dem bei Umweltschützern umstrittenen Projekt, dass beim Bau der Ostsee-Pipeline höchste umweltpolitische Standards beachtet würden. Bis Ende 2007 werde in Absprache mit den Genehmigungsbehörden der Anliegerstaaten Russland, Finnland, Schweden, Dänemark und Deutschland der genaue Verlauf der Pipeline festgelegt. "Wir werden in dem zwei Kilometer breiten Trassenkorridor auf dem Ostseegrund jeden Gegenstand bis zur Patronenhülse orten und gegebenenfalls bergen", sagte Warnig.

Möglichkeiten einer engen Kooperation mit dem deutsch-russischen Energiekonsortium sieht das Unternehmen Concord Power, das in Lubmin für 700 Millionen Euro ein 1200-Megawatt-Gaskraftwerk errichten will und den Bau einer 210 Kilometer langen Gas-Pipeline nach Börnicke bei Berlin plant. Die 400 Millionen Euro kostende Trasse könnte die neue Ostsee-Pipeline mit dem europäischen Hochdrucknetz verbinden, sagte Geschäftsführer Heiko von Tschischwitz. Concord Power sei zudem zu einem Einstieg oder zu einer kompletten Übernahme der Festlandspipeline durch NEGP bereit.

Von Ralph Sommer