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02.07.2012, 11:05 Uhr

Strom-News

Gutachten

Bahntrassen taugen nur bedingt als Stromautobahnen

Die bestehenden Bahntrassen können mit Einschränkungen für die geplanten Stromautobahnen von Nord- nach Süddeutschland genutzt werden. Das berichtet die Tageszeitung "Die Welt" (Montagsausgabe) unter Berufung auf ein Gutachten im Auftrag der Bundesnetzagentur, das am Montag vorgestellt wird.

Berlin (AFP/red) - Darin heißt es, die bestehenden Bahnstromtrassen seien "im Rahmen des anstehenden Netzausbaus nutzbar" - allerdings mit deutlichen Einschränkungen.

Leitung Ein neues Gutachten soll zeigen, ob die Bahntrassen auch für "normalen" Strom genutzt werden können. Durch eine räumliche und technische Mitnutzung von Bahnstromtrassen ergäben sich "Vorteile und Synergieeffekte, allein schon im Hinblick auf den landschaftlichen Verbrauch von Flächen", heißt es demnach weiter in dem Bericht. Der Aufwand, die Bahntrassen in den Netzausbau einzubeziehen, wäre allerdings groß. Das rund 7750 Kilometer lange Stromnetz der Deutschen Bahn AG wird mit 16,7 Hertz betrieben, also einem Drittel der üblichen Frequenz. Das bedeutet, dass Strom für Haushalte oder die Industrie dort nicht ohne weiteres durchgeleitet werden kann.

Was am Bahnstromnetz anders ist

Zudem ist das Bahnstromnetz vorrangig ein Verteiler- und Ausgleichsnetz. Es stellt die Verbindung einer Vielzahl von Erzeugerstandorten mit den Unterwerken an den Strecken her. Eine großräumige Übertragung von Strom findet daher bislang so gut wie nicht statt. Die Gutachter kommen daher zu dem Ergebnis, dass eine Parallelführung von Bahn- und Hochspannungsleitungen der öffentlichen Energieversorgung in erster Linie auf kürzeren Strecken bis etwa 50 Kilometer machbar sei.

Eine weitere technisch mögliche Alternative zu überirdischen Leitungen wäre nach Ansicht der Experten eine Verlegung von Erdkabeln im Trassenraum der Bahn. Dies wäre "allerdings die mit Abstand teuerste Möglichkeit", so die Gutachter. Sie schlagen daher aus wirtschaftlichen Erwägungen Freileitungen von Bahn- und öffentlichem Strom auf gemeinsamen Masten vor. Dafür wären allerdings "innovative Mastsysteme" nötig, schreiben die Experten.

Der Netzausbau, das Schlüsselproblem

Der Netzausbau ist ein Kernproblem der Energiewende. Neue Stromautobahnen sind nötig, um die Windenergie vom Norden in die Verbrauchszentren im Süden und Westen Deutschlands zu transportieren.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) verwies darauf, dass die Bahn über das einzige flächendeckende Stromnetz in Deutschland verfüge. Er räumt zugleich ein, dass die Nachrüstung des Bahnnetzes teuer würde. Rund 7,2 Milliarden Euro würden anfallen, wenn die Bahnanlagen wie geplant mit neuen Kabeln und Masten ausgestattet würden, sagte er der "Welt".

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