Strom-News
GutachtenDie bestehenden Bahntrassen können mit Einschränkungen für die geplanten Stromautobahnen von Nord- nach Süddeutschland genutzt werden. Das berichtet die Tageszeitung "Die Welt" (Montagsausgabe) unter Berufung auf ein Gutachten im Auftrag der Bundesnetzagentur, das am Montag vorgestellt wird.
Berlin (AFP/red) - Darin heißt es, die bestehenden Bahnstromtrassen seien "im Rahmen des anstehenden Netzausbaus nutzbar" - allerdings mit deutlichen Einschränkungen.
Ein neues Gutachten soll zeigen, ob die Bahntrassen auch für "normalen" Strom genutzt werden können.
Durch eine räumliche und technische Mitnutzung von Bahnstromtrassen ergäben sich "Vorteile und Synergieeffekte, allein schon im Hinblick auf den landschaftlichen Verbrauch von Flächen", heißt es demnach weiter in dem Bericht. Der Aufwand, die Bahntrassen in den Netzausbau einzubeziehen, wäre allerdings groß. Das rund 7750 Kilometer lange Stromnetz der Deutschen Bahn AG wird mit 16,7 Hertz betrieben, also einem Drittel der üblichen Frequenz. Das bedeutet, dass Strom für Haushalte oder die Industrie dort nicht ohne weiteres durchgeleitet werden kann.
Zudem ist das Bahnstromnetz vorrangig ein Verteiler- und Ausgleichsnetz. Es stellt die Verbindung einer Vielzahl von Erzeugerstandorten mit den Unterwerken an den Strecken her. Eine großräumige Übertragung von Strom findet daher bislang so gut wie nicht statt. Die Gutachter kommen daher zu dem Ergebnis, dass eine Parallelführung von Bahn- und Hochspannungsleitungen der öffentlichen Energieversorgung in erster Linie auf kürzeren Strecken bis etwa 50 Kilometer machbar sei.
Eine weitere technisch mögliche Alternative zu überirdischen Leitungen wäre nach Ansicht der Experten eine Verlegung von Erdkabeln im Trassenraum der Bahn. Dies wäre "allerdings die mit Abstand teuerste Möglichkeit", so die Gutachter. Sie schlagen daher aus wirtschaftlichen Erwägungen Freileitungen von Bahn- und öffentlichem Strom auf gemeinsamen Masten vor. Dafür wären allerdings "innovative Mastsysteme" nötig, schreiben die Experten.
Der Netzausbau ist ein Kernproblem der Energiewende. Neue Stromautobahnen sind nötig, um die Windenergie vom Norden in die Verbrauchszentren im Süden und Westen Deutschlands zu transportieren.
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) verwies darauf, dass die Bahn über das einzige flächendeckende Stromnetz in Deutschland verfüge. Er räumt zugleich ein, dass die Nachrüstung des Bahnnetzes teuer würde. Rund 7,2 Milliarden Euro würden anfallen, wenn die Bahnanlagen wie geplant mit neuen Kabeln und Masten ausgestattet würden, sagte er der "Welt".
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Die Umweltschutz-Organisation BUND hat den Betreibern der deutschen Stromnetze vorgeworfen, beim Netzausbau mit zu viel Kohlestrom zu rechnen. Die beim so genannten Netzausbau-Plan eingerechneten Mengen Kohlestrom lägen deutlich über den Annahmen der Bundesregierung.
Der Vorstoß von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) für Einschränkungen des Naturschutzes beim Ausbau von Stromnetzen stößt auch in der Koalition auf Kritik. Durch ein bedrohtes Tier oder eine geschützte Pflanze sei nicht ein Ausbauprojekt verhindert worden.
Beim Bau der vorgesehenen 3.800 Kilometer neuer Stromtrassen könnten nach Ansicht von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer bestehende Eisenbahntrassen genutzt werden. Technisch sei das machbar, sagte der CSU-Politiker der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Freitagausgabe). Von einer Billiglösung könne jedoch keinesfalls die Rede sein.
Die SPD wirft den vier großen Stromnetzbetreibern Täuschung bei den Investitionskosten für den Netzausbau vor. "Die Netzanbieter übertreiben maßlos. Es wird mit Zahlen operiert, die wahrscheinlich mindestens doppelt so hoch sind wie die tatsächlichen Zusatzkosten", lautet der Vorwurf.
Die Energiewende bietet nach Ansicht von Wissenschaftlern große Chancen für Deutschland. "Angesichts unserer unglaublichen Innovationskraft birgt die sinnvolle Nutzung der erneuerbaren Energien ein Riesenpotenzial", sagte Joachim Knebel vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT), der Nachrichtenagentur dapd.Strompreise vergleichen
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