Weiterleitung

Bahn will Windkraft durch ihr Stromnetz schicken

Die Bahn erwägt offenbar den Ausbau ihres konzerneigenen Stromnetzes zur Weiterleitung von Windenergie aus Norddeutschland. Entsprechende Pläne würden derzeit "ressortübergreifend geprüft", berichtete die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf das Bundesverkehrsministerium.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

Berlin (dapd/red) - "Das könnte ein gangbarer Weg sein, das Durchleitungsproblem in den Griff zu kriegen", sagte ein Sprecher von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU).

Laut dem Bericht kommt Windkraft aus Norddeutschland derzeit immer weniger in den Verbrauchszentren in Süddeutschland an. Grund seien die fehlenden Durchleitungskapazitäten. Zudem werde der Netzausbau vielfach durch Bürgerinitiativen und Kommunalpolitiker blockiert. Daher werde nun geprüft, die Masten an einigen bahneigenen Stromtrassen um bis zu 15 Meter zu erhöhen, um Platz für zusätzliche Gleichstromkabel mit einer Kapazität von bis zu 500 Kilovolt zu schaffen, hieß es. Die Bahn beziffere den Ausbau der Bahn-Strommasten für schätzungsweise "zwei bis 2,5 Milliarden Euro".

Bahn-Chef Rüdiger Grube sagte: "Wenn die Bahn etwas erbringen kann, was andere nicht leisten können, gibt es keinen Grund, das nicht zu prüfen." Allerdings gebe es in dem Unternehmen auch Vorbehalte gegen die Pläne. Beispielsweise würden bei einer Erhöhung der Bahn-Masten für den Windkraft Strom neue Planfeststellungsverfahren nötig. "Diese dürften auf mindestens dieselben Widerstände treffen, wie sie auch die Übertragungsnetzbetreiber kennen", heiße es in einem internen Vermerk.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hatte den Investitionsbedarf in die Stromnetze bis 2020 auf 40 Milliarden Euro geschätzt, weil zunehmend Kraftwerkskapazitäten in Norddeutschland fernab der Verbrauchszentren gebaut würden.