Energie sparen

Baden-Württembergs Wirtschaftsminister wirbt für Gebäudeenergieausweis

Ernst Pfister sieht in der geplanten Einführung des Energieausweises für Gebäude große Chancen. Durch entsprechende Modernisierungsmaßnahmen könne in Baden-Württemberg jährlich eine Energiemenge eingespart werden, die rund 5,5 Milliarden Litern Heizöl entspreche.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Stuttgart (red) - Die geplante Einführung des Energieausweises für Gebäude bietet nach Ansicht von Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Ernst Pfister Chancen für Unternehmen und für die Umwelt. "Ich sehe die Chance, mit dem Energieausweis die Reduzierung des Energieverbrauchs im Land weiter voranzubringen, weil der Ausweis nicht nur informiert, sondern sowohl Eigentümer als auch die potenziellen Nutzer des Gebäudes dazu bringt, über eine Sanierung nachzudenken", betonte Pfister am Montag in Stuttgart.

Nach Pfisters Angaben werden künftig in Baden-Württemberg pro Jahr bis zu 150 000 Energieausweise ausgestellt werden. "Wenn nur jeder dritte ausgestellte Ausweis zu Gebäudesanierungsmaßnahmen führt, bedeutet dies ein gewaltiges Auftragspotenzial für unsere heimischen Unternehmen", verdeutlichte der Minister. "Je größer der Personenkreis wird, der dieses Thema diskutiert, desto größer werden die Chancen, dass konkrete Energiesparmaßnahmen auch umgesetzt werden."

Im Rahmen des Gesprächs sagte Pfister zu, er werde prüfen, ob berechtigte Änderungswünsche von Handwerk und Mittelstand im Hinblick auf die Einführung des Energieausweises über eine Bundesratsinitiative des Landes noch eingebracht werden können. So habe das Bundeskabinett mit seinem Beschluss von Ende April den Kreis der Personen, die künftig Energieausweise ausstellen dürfen, über Gebühr eingeschränkt. Pfister will sich nun dafür einsetzen, dass diese Einschränkung "so weit wie möglich" zurückgenommen wird.

Nach Angaben des Ministers kann das Einsparen von Energie den größten Beitrag zur Reduktion des Strom- und Heizenergieverbrauchs und damit zur Kostensenkung leisten. Pfister: "Energieverbrauch und Energiekosten können fast überall erheblich reduziert werden. Fast ein Drittel des gesamten Endenergieverbrauchs geht auf das Konto der Beheizung und Warmwasserbereitung der über 20 Jahre alten Gebäude. Unabhängig vom optischen Eindruck haben viele dieser Gebäude im Gegensatz zu einem nach den Vorschriften der Energieeinsparverordnung errichteten Neubau einen bis zu fünffach höheren Energiebedarf."

Durch entsprechende Modernisierungsmaßnahmen könne in Baden-Württemberg jährlich eine Energiemenge eingespart werden, die rund 5,5 Milliarden Litern Heizöl entspreche. Das Investitionsvolumen für eine umfassende energetische Sanierung des Altbaubestandes in Baden-Württemberg betrage vorsichtig geschätzt insgesamt über 25 Milliarden Euro.

Pfister kündigte für den 22. September 2007 einen "Energietag Baden-Württemberg" an, der vor allem dazu diene, die Energieeffizienz im Lande zu steigern und erneuerbare Energien voranzubringen.

Hintergrund: Seit Ende April liegt die von der Bundesregierung verabschiedete Fassung der novellierten Energieeinsparverordnung vor, die am 8. Juni im Bundesrat beraten werden soll. Bei Verkauf oder Neu-Vermietung bestehender Gebäude oder Gebäudeteile hat der Eigentümer dem potenziellen Käufer bzw. Mieter einen Energieausweis zugänglich zu machen, der über den energetischen Ist-Zustand des Gebäudes insgesamt informiert. Dem Energieausweis sind Modernisierungsempfehlungen für kostengünstige Verbesserungen der energetischen Eigenschaften beizufügen.