Aktienpaket gekauft

Baden-Württemberg will Stromanbieter EnBW an die Börse bringen

Baden-Württemberg hat 45 Prozent der Anteile am Stromanbieter EnBW übernommen. Das Land hat überraschend dem bisherigen Großaktionär EDF sein Aktienpaket abgekauft. Damit geht einer der größten deutschen Versorger mehrheitlich in den Besitz der deutschen öffentlichen Hand über.

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Stuttgart (afp/dapd/red) - Die Landesregierung von Baden-Württemberg übernimmt 45 Prozent an der Energie Baden-Württemberg von dem französischen Staatskonzern Electricite de France (EDF) und bezahlt dafür 4,7 Milliarden Euro, wie beide Seiten am Montag überraschend mitteilten. Das Geld soll über eine Anleihe finanziert werden. Die Zinsen dafür würden voraussichtlich unter den Dividendenerträgen des Anteils liegen.

Der Löwenanteil der restlichen Aktien liegt mit ebenfalls 45 Prozent bei einem Zusammenschluss von kommunalen Energieversorgern im südlichen Baden-Württemberg, dem Zweckverband er oberschwäbischen Elektrizitätswerke (OEW). Vom Rest der Anteile war der Großteil ebenfalls in Kommunalbesitz, der Streubesitz lag Ende September bei knapp zwei Prozent.

Angebot an weitere EnBW-Anteilseigner

Das Land bietet im Zuge der Übernahme den anderen Anteilseignern der EnBW an, ihre Aktien ebenfalls für 41,50 Euro zu übernehmen. Um maximal weitere zehn Prozent könnte Baden-Württemberg seinen Anteil aufstocken, da die OEW in Absprache mit dem Land keine Aktien veräußern wird.

Der französische Energieriese EDF kaufte nach und nach 45 Prozent des drittgrößten deutschen Energieversorgers EnBW. Das Ziel hatte EDF immer klar verkündet: Der Konzern wollte die Mehrheit am Konzern und so auch in Deutschland zu einem der größten Versorger werden. Diese Strategie, geschmiedet in Zeiten, als die Strom-Manager von grenzenlosen europäischen Stromriesen träumten, ist passé. Nun hat Baden-Württemberg den Franzosen ihren Anteil abgekauft - statt einem deutsch-französischen Riesen soll ein Energie-Champion im Ländle entstehen.

Land will Energiekonzern EnBW an die Börse bringen

Doch Baden-Württemberg werde nur vorübergehend zu einem der beiden Hauptaktionäre. Das Land plane, die Anteile an EnBW mittelfristig in erheblichen Teilen oder komplett an die Börse zu bringen. Mappus schwebt vor, dass der gegenwärtig im regulierten Handel notierte drittgrößte deutsche Versorger mit fast 20.000 Mitarbeitern in den DAX aufsteigt und dort nach Daimler, HeidelbergCement und SAP der vierte Konzern aus Baden-Württemberg in dem deutschen Leitindex wird.

Mappus lobte den Deal, den er maßgeblich hinter den Kulissen eingefädelt haben soll, als ideale Lösung. Die Kreditzinsen für den Kauf würden durch die hohen Gewinne von EnBW bezahlt. Experten sind allerdings skeptischer: "Ich halte den Deal für riskant", sagt Uwe Leprich, Energieexperte an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Saarbrücken. Schließlich sei nicht ausgemacht, ob das Land Baden-Württemberg die 4,7 Milliarden Euro, die es bezahlt, an der Börse wieder einspielen könne. "EnBW steht auf zwei wackligen Beinen", sagt Leprich. Die Atomkraft sei weiter sehr wichtig für EnBW, außerdem sei das eigene Leitungsnetz immer noch eine wichtige Geldquelle für das Unternehmen.

Land will Kontrolle über Energiekonzern behalten

Hinter der Übernahme dürfte aber weniger die Suche nach einer idealen Strategie für die Zukunft des Unternehmens stehen als handfeste politische Interessen. EDF-Chef Henri Proglio sagte dazu, Baden-Württemberg habe schlicht und einfach die Kontrolle über das Unternehmen in deutscher Hand behalten wollen. "EDF hat es deshalb für klug gehalten, zur Wahrung unserer Interessen das Angebot anzunehmen." So wehrte sich in diesem Fall die deutsche Politik gegen eine Übernahme aus Frankreich - ähnlich wie sich vor einigen Jahren noch Spanien erfolgreich gegen die Übernahme des Endesa-Konzerns durch E.ON wehrte.

Der Kauf muss von den Kartellbehörden genehmigt werden. Der Ministerpräsident zeigte sich überzeugt, dass es kartellrechtlich keine Probleme geben werde. Innerhalb der kommenden vier Wochen soll Baden-Württemberg rechtlicher Eigentümer der Aktien sein.