Energiemix entscheidend

Baden-Württemberg will Rücknahme des Atom-Ausstiegs

Der baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel, sein Wirtschaftsminister Walter Döring und sein Umwelt-und Verkehrsminister Ulrich Müller haben sich gestern nach der Ministerratssitzung in Stuttgart für eine Rücknahme des Ausstiegs aus der Kernenergie ausgesprochen. Für die zukünftige Energieversorgung sei der richtige Energiemix entscheidend.

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"Für die zukünftige Energieversorgung ist der richtige Energiemix entscheidend. Dabei werden verstärkt die Effizienz der Energienutzung, der sparsame Umgang mit Strom sowie neue Technologien zur Stromerzeugung eine Rolle spielen. Absehbar ist allerdings auch, dass es keine realistische Perspektive für den Ersatz der Kernenergie geben wird. Daher ist der Ausstiegsbeschluss in hohem Maße ökonomisch wie ökologisch riskant." Dies sagten der baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel, Wirtschaftsminister Walter Döring und Umwelt-und Verkehrsminister Ulrich Müller gestern nach der Ministerratssitzung in Stuttgart.

Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit

Die Ziele einer nachhaltigen Energiepolitik sind nach den Worten von Ministerpräsident Erwin Teufel Energieversorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit (Klimaschutz). "Die aktuelle Diskussion im Land geht an diesen tatsächlichen Fragestellungen teilweise vorbei." Beispielsweise werde die Bedeutung der Windkraft in diesem Zusammenhang völlig überschätzt. Selbst bei einem maßvollen Ausbau im Rahmen des geänderten Planungsrechts von dem derzeitigen Anteil an der Stromerzeugung mit 0,35 Prozent auf knapp ein Prozent bliebe der Anteil der Windkraft sehr begrenzt. Das Aufrechnen der Windkraft mit 0,35 Prozent gegen die Kernenergie mit einem Anteil von 58 Prozent an der Stromproduktion sei reine Spiegelfechterei. "Die Bundesregierung hat den Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen ohne überzeugende Alternativen vorzuschlagen. Allein auf erneuerbare Energien zu setzen, reicht nicht aus", betonten die Landespolitiker.

Rückkehr zur Kohle klimaschädlich

Der Ausstieg aus der Kernenergie führe zunächst zwangsläufig zu einer verstärkten Rückkehr zu den fossilen Energieträgern, so Ministerpräsident Erwin Teufel weiter. Aber auch moderne Kohlekraftwerke seien extrem klimaschädlich. "Der Weg zurück zur fossilen Verbrennung bringt uns erhebliche Probleme beim Klimaschutz." Wenn alle Kernkraftwerke in Baden-Württemberg durch Steinkohlekraftwerke ersetzt würden, entstünden 36 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr zusätzlich.

Import ist keine Lösung

Die Stromversorgung in Baden-Württemberg durch Stromimporte zu lösen, sei angesichts der jüngsten Erfahrungen in Italien und im letzten Sommer ebenfalls als sehr kritisch zu betrachten, so Ministerpräsident Erwin Teufel und Wirtschaftsminister Walter Döring weiter. An einer weiteren Nutzung der Kernenergie komme man daher auf Grund der Gesamtbetrachtung nicht vorbei. "Unser Ziel bleibt daher, eine Laufzeitverlängerung bei bestehenden Kernkraftwerken zu erreichen. Diese Lösung wäre kostengünstig und klimaneutral, setzt aber die Rücknahme des Ausstiegsbeschlusses auf Bundesebene voraus." Nach diesem Beschluss sollen in Baden-Württemberg bis zum Jahr 2022 fünf Kernkraftwerke mit einer Kapazität von 4900 Megawatt stillgelegt werden. Der Verzicht auf die Kernenergie bedeute auch den Verzicht auf Arbeitsplätze und Wertschöpfung im Lande, so Döring weiter.

Ausbau effizienter Kraftwerke und erneuerbarer Energien

Ein weiteres Element im künftigen Energiemix sei der Neubau von effizienten Gas- und Dampfturbinenkraftwerken, so Minister Ulrich Müller weiter. Sie hätten mit bis zu 58 Prozent einen hohen elektrischen Wirkungsgrad gegenüber Kohle-kraftwerken. Eine andere Möglichkeit sei der Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) als dezentrale Versorgungsmöglichkeit oder als Auskoppelung von Wärme aus Großkraftwerken. "Die erneuerbaren Energien sind weiter ausbaufähig, ohne allerdings auch nur annähernd einen Anteil der Versorgung wie die Kernenergie abdecken zu können. Kernkraft plus erneuerbare Energie plus Sparen plus Effizienz contra Fossile Energieträger - das muss Leitlinie einer Energiepolitik sein", skizzierten die Politiker.