Atommüll

Baden-Württemberg stimmt Castor-Rücknahme zu

Bis 2015 müssen fünf Atommüll-Behälter aus Frankreich wieder in Deutschland untergebracht werden. Baden-Württemberg ist zu der Aufnahme bereit, mahnt aber den Bund zur Eile, was die Vorlage eines Gesamtkonzeptes angeht. Insgesamt 26 Castoren müssen in den kommenden Jahren noch zurückgenommen werden.

Atommüll© Thomas Bethge / Fotolia.com

Stuttgart/Frankfurt (dpa/red) - Baden-Württemberg ist im Tauziehen um die Rücknahme von Atommüll aus dem Ausland zu einem Kompromiss bereit, fordert vom Bund aber die rasche Vorlage eines Gesamtkonzeptes. Weil die Zeit davonläuft, will die Regierung in Berlin nach einem Bericht der "Frankfurter Rundschau" den Transport von fünf Castor-Behältern aus La Hague so schnell wie möglich vorbereiten. Dabei werde sich Baden-Württemberg nicht querstellen, sagte ein Sprecher des Umweltministeriums in Stuttgart.

26 Castoren aus Frankreich

Deutschland muss vom kommenden Jahr an 26 Castoren aus den Wiederaufarbeitungsanlagen im britischen Sellafield und im französischen La Hague zurücknehmen. Für den Transport bedarf es einer Genehmigung des Bundesamts für Strahlenschutz, die einige Vorlaufzeit beansprucht.

Genehmigung in diesem Monat

In einem Brief an den Energiekonzern Eon dringt der Staatssekretär des Bundesumweltministeriums, Jochen Flasbarth (SPD), dem Bericht zufolge darauf, dass die Atomkraftwerksbetreiber "noch in diesem Monat" eine Genehmigung für die fünf Castoren aus Frankreich für eine Zwischenlagerung in Baden-Württemberg stellen. Dies gelte auch ohne letzte Klarheit darüber, was mit den 21 Castoren aus Sellafield passiere, die von 2017 an zurückgeführt werden sollen.

Drittes Bundesland gesucht

Der Bund sei allerdings nach wie vor gefordert, ein Gesamtkonzept für alle Atommüllbehälter vorzulegen, sagte der Sprecher des Stuttgarter Ministeriums der Nachrichtenagentur dpa und bestätigte Angaben des Blatts. Der Plan hätte schon bis Ostern vorliegen sollen. Zudem werde noch immer ein drittes Bundesland gesucht, das Castoren aufnimmt.

Philippsburg als möglicher Standort

Neben Baden-Württemberg hat bisher nur Schleswig-Holstein seine grundsätzliche Bereitschaft dazu erklärt – "ausgerechnet zwei Länder mit grüner Regierungsbeteiligung", sagte der Stuttgarter Ministeriumssprecher. "Alle anderen Bundesländer, die von Parteien regiert werden, die die Kernkraft jahrzehntelang unterstützt haben, ducken sich weg und übernehmen keine Verantwortung."

Als möglicher Standort ist wiederholt das AKW Philippsburg in der Nähe von Karlsruhe genannt worden. Das Zwischenlager ist das nächstgelegene für Castoren, die aus La Hague auf dem Landweg nach Deutschland kommen.

Quelle: DPA