Forschungsprojekt

Baden-Württemberg investiert in Erdwärme-Forschung

Die baden-württembergische Landesregierung wird ein Forschungsprojekt 'Herausforderung Erdwärme' mit einem Fördervolumen von einer Million Euro ausgeschreiben. Dies beschloss jetzt der Ministerrat in Stuttgart. Die energetische Nutzung von oberflächennaher Erdwärme soll weiter vorangetrieben werden.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Stuttgart (red) - "Wir wollen damit unsere bundesweite Spitzenstellung bei der Erdwärmenutzung ausbauen und gleichzeitig einen Beitrag zum Klimaschutz leisten", erklärten Ministerpräsident Günther H. Oettinger und Umweltministerin Tanja Gönner in Stuttgart. Das Projekt soll aus Mitteln der Zukunftsoffensive IV gefördert werden.

Allein im vergangenen Jahr habe sich die Zahl der im Land installierten Erdwärmesonden mit Hilfe eines Förderprogramms des Landes mehr als verdoppelt, erläuterte Umweltministerin Tanja Gönner. Die gewonnene Energieleistung habe sich dadurch gegenüber dem Vorjahr um rund 45.000 Megawattstunden erhöht. "Gemessen am Primärenergieverbrauch ist das trotz Steigerung ein Anteil von weniger als 0,1 Prozent." Das insgesamt im Land vorhandene Vorkommen werde dagegen von Experten auf mehr als fünf Prozent des Primärenergieverbrauchs beziffert. Das entspricht einem technischen Potenzial von vier Milliarden Kilowattstunden. "Jeder zwanzigste Privathaushalt im Land könnte danach auf Erdwärme umsteigen. Dies zeigt, dass wir noch weit von den natürlichen Grenzen entfernt sind", unterstrich der Ministerpräsident.

Unter etwa zwei Dritteln der Landesfläche finde sich in oberen Schichten nutzbare Erdwärme. "Es bestehen noch offene Fragen etwa in Bezug auf den Grundwasserschutz oder die Gewinnung von Trinkwasser", führte Gönner aus. Ob und in welchen Fällen ein Interessenskonflikt mit dem Grundwasser- und Trinkwasserschutz besteht, müsse deshalb im Rahmen des Forschungsprojekts näher untersucht werden. Vielfach würde von den Wasserschutzbehörden die Installation von Erdwärmesonden abgelehnt, wenn die Bohrung durch mehrere Wasser führende Schichten erfolgen müsste.

Das Interesse an der Erdwärmenutzung sei auch nach Auslaufen der Landesförderung zum Ende des vergangenen Jahres groß. Über ein im vergangenen Jahr aufgelegtes und mit zwei Millionen ausgestattetes Förderprogramm solle darüber hinaus die in tieferen Erdschichten vorkommende Wärme zugänglich gemacht werden. Dem Umweltministerium liege zwischenzeitlich ein Antrag aus der Gemeinde Neuried (Ortenaukreis) vor. Dort sei ein so genanntes Hybridkraftwerk in Planung, bei dem die Nutzung von heißem Wasser aus einer Tiefe von 2.700 Metern mit einer Biogasanlage kombiniert werden soll.

Die Landesregierung habe im Klimaschutzkonzept 2010 das Ziel vorgegeben, den Anteil der erneuerbaren Energien am Primärenergieverbrauch von 3,3 Prozent im Jahr 2004 auf 4,8 Prozent bis zum Jahr 2010 zu steigern, betonte Ministerpräsident Oettinger. "Im vergangenen Jahr haben wir bereits 4,0 Prozent erreicht." Werde wie auf Bundesebene der Beitrag der Holzwärmenutzung in kleinen Stückholzfeuerungsanlagen hinzu gerechnet, komme man bereits sogar auf einen Anteil von 5,1 Prozent.

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