Disziplinierende Wirkung ?

Baden-Württemberg: Gaspreisübersicht veröffentlicht

Das baden-württembergische Wirtschaftsministerium hat jetzt eine Gaspreisübersicht von Versorgern in dem Bundesland für Haushaltskunden veröffentlicht. Sie soll den Privatverbrauchern mehr Transparenz bieten. Der Energiekonzern EnBW weist auf fehlerhafte Einträge zu seinen Tarifen hin.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Stuttgart (red) - Die Liste besteht aus öffentlich zugänglichen Angaben und werde künftig etwa alle zwei Monate aktualisiert, erläuterte Wirtschaftsminister Ernst Pfister bei der öffentlichen Vorstellung. Sie steht für alle Interessierten auf der Internetseite seines Ministeriums zur Verfügung."Die Kunden sollen mit einem Blick wissen, wo ihr Gasversorger preislich im Landesvergleich steht", begründete der Minister die Veröffentlichung, von der er sich in der Folge eine disziplinierende Wirkung auf die Preispolitik der eher teuren Anbieter erhofft.

Wie die Übersicht zeigt, gibt es Preisunterschiede zwischen 20 bis 30 Prozent, so Pfister. Beispielsweise zahle ein Reihenhausbesitzer, der 20.000 Kilowattstunden bezieht, bei einem konstanten Preisstand vom 15. September 2006 in der Kurstadt Baden-Baden 1.135 Euro, während er beim teuersten Gasversorgungsunternehmen schon 1.461 Euro im Jahr hinlegen muss.

Dazu Pfister: "Solange kein Wettbewerb im Gasmarkt in Gang gekommen ist, bestehen leider für die Haushaltskunden noch keine Chancen, sich erfolgreich nach einem günstigeren Lieferanten von Gas umzusehen. Es ist aber abzusehen, dass sich diese Situation mit der behördlichen Überprüfung der Gasnetzentgelte und den inzwischen allseits akzeptierten Gasnetzzugangsmodellen zusehends verbessern wird. Manchmal hilft freilich auch schon die Frage beim angestammten Gasversorgungsunternehmen nach günstigeren Sondervertragstarifen. Und vielleicht trägt ja auch diese Veröffentlichung dazu bei, dass mancher teure Gasversorger seine Preispolitik überdenkt."

Die Gaspreisübersicht ist Ministeriumsangaben zufolge ein Nebenprodukt der im April 2006 in Angriff genommenen Untersuchung der Gasversorgung von Haushaltskunden durch die Landeskartellbehörde. Damit mache Baden-Württemberg als erstes Bundesland von dem sogenannten Enqueterecht Gebrauch, einer seit Sommer 2005 existierenden Möglichkeit nach dem Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) zur Untersuchung eines ganzen Wirtschaftszweiges. Sie ermögliche nicht nur einen Langzeitpreisvergleich. Vielmehr kann zugleich auch eine Preis-Mengengewichtung stattfinden. GVU, die in der Schwachlastzeit niedrigere Preise haben, zur Heizperiode aber überproportional erhöhen, können leicht herausgefiltert werden.

Die Gesamt-Auswertung der Enqueteuntersuchung dauert noch an, weil etliche Unternehmen wichtige Auskünfte erst aufgrund behördlicher Verfügungen bzw. nach einer entsprechenden Entscheidung des Oberlandesgerichts Stuttgart erteilt haben.

Nach Angaben des Energiekonzerns EnBW Energie Baden-Württemberg AG weisen die Vergleichstabellen den EnBW Gas Zonentarif (Grundversorgungstarif) "fälschlicherweise als teuersten Tarif" für diese Verbrauchsfälle in Baden-Württemberg aus. Die angegebenen Bruttopreise betragen bei einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden 6,85 Cent pro Kilowattstunde statt 7,52 Cent pro Kilowattstunde. Bei einem Verbrauch von 35.000 Kilowattstunde betrage der Bruttopreis 6,45 Cent pro Kilowattstunde statt 6,84 Cent pro Kilowattstunde.

Weiterführende Links
  • Gaspreistabelle des Landes Baden-Württemberg (hier klicken)