Verantwortung wahrnehmen

Baden-Württemberg beschließt Klimaschutzkonzept 2010

Baden-Württemberg hat die Verringerung des Ausstoßes von klimaschädlichen Gasen als eine der zentralen umweltpolitischen Herausforderungen erkannt und will deshalb mit seinem "Klimaschutzkonzept 2010" bundesweit eine Vorreiterrolle beim Klimaschutz übernehmen. Das Programm wurde in dieser Woche vorgestellt.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Stuttgart (red) - Baden-Württemberg hat in dieser Woche sein Klimaschutzkonzept 2010 beschlossen. "Die Verantwortung für unsere Kinder und künftige Generationen verpflichtet uns, für eine nachhaltige Klimaschutzpolitik einzutreten", sagten Ministerpräsident Günther H. Oettinger und Umweltministerin Tanja Gönner in dieser Woche in Stuttgart und kündigten an, bundesweit eine Vorreiterrolle beim Klimaschutz übernehmen zu wollen.

Wie notwendig ein umfassender und nachhaltiger Klimaschutz sei, habe eine Anfang Juli vorgestellte Studie des Umweltministeriums zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die unterschiedlichen Lebens- und Wirtschaftsbereiche in den einzelnen Regionen des Landes deutlich gemacht. Sie ergab, dass sich die durchschnittlicher Erwärmung in Baden-Württemberg bis 2050 um 1,2 bis 1,7 Grad erhöhe. Daher sei die Verringerung des Ausstoßes der für den Klimawandel verantwortlichen Treibhausgase eine der zentralen umweltpolitischen Herausforderungen.

"Zwar sind unsere eigenen Möglichkeiten, klimaschädliche Emissionen zu verringern, begrenzt. Dennoch wollen wir im Land auf allen Ebenen die Möglichkeiten ausschöpfen", erläuterte Oettinger. Parallel dazu sei es notwendig auf internationaler Ebene aktiv zu werden. "Wir brauchen ein KyotoPlus für die Zeit nach 2012."

In Baden-Württemberg seien in den vergangenen Jahren beim Klimaschutz Fortschritte u.a. bei der Energieeffizienz, der Wärmedämmung von Gebäuden und auch beim Verkehr erzielt worden, sagte Gönner. So liege der Ausstoß von Kohlendioxid pro Kopf bei jährlich 7,4 Tonnen und damit mehr als ein Viertel unter dem Bundesdurchschnitt. Dennoch müsse Klimaschutz in engem Zusammenhang zum gesamten Energiesektor betrachtet werden. Daher wurde ein Aktionsbündel konzipiert, das sich auf die Bereiche Verkehr, Private Haushalte, Energie und Industrie erstreckt. Gönner: "Es werden Möglichkeiten zur Verringerung der jährlichen Treibhausgasemissionen von zwei bis vier Millionen Tonnen pro Jahr und damit bis zu fünf Prozent des Gesamtausstoßes identifiziert."

Im Aktionsbereich Verkehr z.B. will das Land festschreiben, auch zukünftig in den Ausbau von Schiene, Bus und Bahn zu investieren. Gleichzeitig sollen der Einsatz von Biokraftstoffen verstärkt und neue Technologien ausgebaut werden. Bei privaten Haushalten und Kleingewerbetreibenden soll die Energieeinsparung weiter vorangetrieben werden. Ein Schwerpunkt liege in der Wärmedämmung bei Gebäudesanierungen, daher würden die Förderprogramme des Landes "Energiesparcheck", "Impuls- und Energiespar-Programm-Altbau" fortgesetzt. Rund 2,3 Millionen Euro sollen dafür in diesem Jahr zur Verfügung gestellt werden. Dabei will das Land mit gutem Beispiel voran gehen und bei seinen etwa 8900 Liegenschaften den Kohlendioxidausstoß senken.

Bei der Energieversorgung will das Land weiterhin auf die Einsparung von Strom wie auch den Ausbau erneuerbarer Energien setzen. Die vorhandenen Einsparpotenziale müssten noch besser ausgeschöpft werden, sagte Gönner. Dazu solle die Kennzeichnung von Elektrogeräten nach ihrer Energieeffizienz dem aktuellen Stand angepasst und auf weitere Gerätegruppen ausgeweitet werden. Geplant sei außerdem ein Forschungswettbewerb für innovative und besonders energiesparende Haushaltsgeräte. In der Stromerzeugung lasse sich darüber hinaus der Wirkungsgrad der Anlagen durch den Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung auf über 70 Prozent erhöhen.

Beim Ausbau der erneuerbaren Energien habe man in diesem Jahr mit der Grundsatzentscheidung zum Ausbau des Wasserkraftwerks bei Rheinfelden einen wichtigen Meilenstein erreicht, so Ministerin Gönner. Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung solle bis 2010 von derzeit etwa acht Prozent auf 11,5 Prozent steigen. Weitere Schwerpunkte dazu lägen in der Förderung der Geothermiegewinnung wie auch dem Ausbau der Biomasse- und Sonnenenergienutzung.