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Auto-Abgase: So tricksen die Hersteller

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) zweifelt an der Aussagekraft der vorgeschriebenen Messung von Autoabgasen. Selbst der ADAC kritisiert die Messungen. Berichtet wird unter anderem von einem BMW, der mit manipuliertem Öl und ohne Lichtmaschine getestet worden sei, um den Abgastest bestehen zu können.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (dapd/red) - Die Tests seien unrealistisch, die Wagen stießen bei einer normalen Fahrt weitaus mehr Abgase aus als von den Herstellern angegeben, erklärten die Umweltschützer am Dienstag in Berlin. Als Beispiel diente ihnen der Test eines BMW 116i, der zwar die gesetzlichen Normen erfüllt, in der Praxis aber drastisch mehr Stickoxide in die Luft blase als erlaubt.

Unterschied zwischen Labor und Alltag

"Wir fordern von den Herstellern wirklich saubere Fahrzeuge", sagte DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch. Wer sein Auto mit zehn Stundenkilometern mehr fahre oder etwas schneller beschleunige als auf dem Prüfstand, der überschreite die Grenzwerte oft deutlich. Der BMW 116i, ein Direkteinspritzer, stößt den DUH-Angaben zufolge bei mehr als Tempo 120 schnell 30 Mal so viel an umwelt- und gesundheitsschädlichen Stickoxiden aus wie erlaubt. Unter Laborbedingungen besteht das Auto die Überprüfung aber.

Die DUH wirft der Regierung vor, nicht ausreichend auf praxistaugliche Tests zu achten. Das Kraftfahrtbundesamt müsse den Auftrag bekommen, Autos auch unter realistischen Bedingungen testen zu dürfen. Wenn ein Wagen die Überprüfung nicht bestehe, müssten die Hersteller dazu verpflichtet werden, die Autos zurückzurufen und nachzurüsten. Das Bundesverkehrsministerium gab bis zum Abend keine Stellungnahme zur gängigen Prüfpraxis ab.

Industriefreundliche Tests

Die Autokonzerne verstoßen nach Ansicht der Umweltschützer zum Teil absichtlich gegen den Geist der bestehenden Regeln. "Es geht ganz offensichtlich darum, einen finanziellen Vorteil zu bekommen", sagte Resch und warf BMW eine Täuschung der Verbraucher vor. Die Konkurrenz der verschiedenen Prüfgesellschaften führe zudem dazu, dass die Tests zu lasch ausgeführt würden. "Man möchte hier der Automobilindustrie nicht wehtun", sagte Resch.

Der vom DUH geladene Autoexperte Axel Friedrich erklärte, die Autos würden genau auf den vorgeschriebenen Prüfzyklus angepasst, oft werde bei der Überprüfung der Reifendruck auf über drei Bar erhöht, die Lichtmaschine ausgeschaltet und das Öl manipuliert. Dadurch kämen die niedrigen Testergebnisse zustande. "Kein Mensch kann so fahren", sagte Friedrich.

Der BMW wäre durchgefallen

In dem mit Hilfe des ADAC erstellten Test, den der DUH vorstellte, werden ein BMW 116i und ein VW Golf 1.2 TSI verglichen. Während der Golf auch im ADAC-Autobahntest den Stickoxid-Grenzwert locker unterschreitet, fällt der BMW klar durch.

Ein BMW-Sprecher sagte dazu: "Unsere Fahrzeuge erfüllen alle gesetzlichen Emissions-Grenzwerte." Einer Überarbeitung der Prüfzyklen im Dialog mit der Politik und dem Verband der Automobilindustrie stehe BMW offen gegenüber. Ein weiterer BMW-Sprecher sagte auf dapd-Anfrage, das Unternehmen arbeite an der Optimierung der Motoren. Zu dem Ergebnis des ADAC-Tests wollte er sich nicht direkt äußern. "Das lässt sich für uns nicht nachvollziehen", sagte er.