Sondergenehmigung

Ausnahme für Kernkraftwerk Isar: Fluss darf stärker erhitzt werden

Die Atomkraftwerke Isar I und II in Niederbayern dürfen bei Hitze künftig zur Kühlung der Reaktoren mit Flusswasser die bisherige Höchsttemperatur der Isar anheben. Die Bayern-Grünen kritisierten diese Sondergenehmigug und befürchten die Absicht E.ONs, das Kraftwerk länger als vereinbart am Netz lassen zu wollen.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Landshut (ddp-bay/sm) - Der Betreiber E.ON Kernkraft GmbH erhielt die Sondergenehmigung, die Temperatur um 0,3 Grad Celsius auf 25 Grad Celsius zu erhöhen. Somit könne das Kraftwerk auch im Falle einer Hitzewelle am Stromnetz bleiben, teilte das Landratsamt mit. "Für die übrigen Zeiten sind weiterhin strenge Obergrenzen aus den bestehenden Bescheiden gültig", betonte ein Sprecher des Landratsamt.

Die Landtagsfraktion der Grünen kritisierte die Erlaubnis scharf und forderte die Stilllegung des Atomkraftwerks. Steigende Wassertemperaturen seien eine große Gefahr für die Fische in der Isar, sagte Grünen-Umweltexpertin Ruth Paulig. Denn durch die Hitze werde die Sauerstoffversorgung beeinträchtig. "Es ist nicht einzusehen, warum Bayerns dienstältestes Kraftwerk mit seinem veralteten Kühlsystem einen Freischein erhalten soll, diese Belastung noch weiter in die Höhe zu treiben", betonte Paulig. Das Landratsamt teilte jedoch mit, es habe vor Erteilung der Erlaubnis, mit zahlreichen Umweltbehörden Rücksprache gehalten.

Die Grünen kritisieren, dass die Genehmigung des Landratsamts sogar bis Ende 2009 erteilt worden sei. Denn E.ON habe bis dahin Investitionen in Höhe von zehn Millionen zugesagt hat, um das Kraftwerk mit einem neuen Kühlsystem nachzurüsten. Darin sehen die Grünen jedoch die "deutliche Absicht" des Betreibers, den im Atomkonsens vereinbarten Abschalttermin für Isar 1 zu unterlaufen. "Nach dem Atomausstiegsgesetz muss Isar 1 spätestens 2011 vom Netz", betonte die Umweltexpertin. "Eine teure Nachrüstung für gerade einmal zwei bis drei heiße Sommer macht betriebswirtschaftlich überhaupt keinen Sinn."