1. Bonner Energiegespräche

Ausländische Regulierungspraxis - beispielgebend für Deutschland?

KEMA, die seit etlichen Jahren weltweit Unternehmen in liberalisierten und auch zu regulierenden Energiemärkten begleitet, will mit den Bonner Energiegesprächen eine Plattform bereitstellen, um deutschen Netzbetreibern sowie Vertretern der Regulierungsbehörde RegTP die Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch zu geben.

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Bonn (red) - Ein ausgeklügeltes Asset-Management, Kostentransparenz und Effizienzkontrolle - für holländische Netzbetreiber sind das inzwischen unverzichtbare Werkzeuge, um sich in einem regulierten Markt behaupten zu können, lautet das Fazit von Jos Blommaert von den Essent Netwerken B.V. bei den 1. Bonner Energiegesprächen, die in dieser Woche bei der KEMA Consulting GmbH stattfanden.

"Am Anfang wurde vieles durch den Regulierer erzwungen, aber heute haben wir einen modus vivendi gefunden", so Blommaert im kritischen Rückblick. Was er für wesentlich hält, ist eine enge Kooperation mit der Regulierungsbehörde. Sie könne in geeignete Modelle münden, die für alle Marktteilnehmer tragbar sind. Dass dies auch für den Umgang mit der künftigen deutschen Regulierungsbehörde gilt, darüber waren sich die meisten der mehr als 60 Teilnehmer einig. Ebenso einig waren sie sich jedoch darüber, dass die gemachten Erfahrungen nicht einfach eins zu eins übernommen werden können, da die Strukturen in Deutschland ganz anders seien als in den Niederlanden oder in Österreich.

Während der von KEMA ins Leben gerufenen 1. Bonner Energiegespräche nahm auch Paul Giesbertz von der niederländischen Regulierungsbehörde DTe Stellung. Er sei sich dessen bewusst, dass nicht alles, was zunächst realisiert wurde, den Anforderungen des Marktes entspricht. So seien in den Niederlanden heute zwar die Aspekte "Kosten" und "Effizienz" des Netzbetriebs berücksichtigt (u.a. durch die so genannten X-Faktoren), der Qualitätsgedanke bei der Energieversorgung sei jedoch noch nicht hinreichend präsent und müsse in Zukunft stärker eingebracht werden. Ansonsten bestehe das Risiko zu geringer Investitionen und in Folge einer verminderten Versorgungssicherheit.

KEMA, die seit etlichen Jahren weltweit Unternehmen in liberalisierten und auch zu regulierenden Energiemärkten begleitet, will mit den Bonner Energiegesprächen eine Plattform bereitstellen, um deutschen Netzbetreibern sowie Vertretern der Regulierungsbehörde RegTP die Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch zu geben. Konkret wurde dabei neben dem niederländischen auch das österreichische Beispiel vorgestellt. Dr. Tahir Kapetanovic von der Regulierungsbehörde Energie-Control GmbH und Rudolf Haubenhofer vom Netzbetreiber Steweag-Steg GmbH in der Steiermark zeigten auf, welchen Weg Österreich zu einem diskriminierungsfreien, funktionierenden Markt gegangen ist.

Am Beispiel der Diskussion um Netzkosten und Netznutzungsentgelte wurde deutlich, dass allein der Preis als Maßstab nicht reiche. Denn die Netzkosten eines Stadtwerks seien beispielsweise schwerlich mit denen eines alpinen Regionalversorgers zu vergleichen. Dennoch würden derzeit in Österreich bei beiden gleichermaßen eine einheitliche Kostenreduktion angestrebt - bis zu 20 Prozent geringere Netznutzungsentgelte würden aus politischen Kreisen gefordert. Zugleich soll die Preisspanne zwischen den niedrigsten und höchsten Tarifen schrumpfen. Hier allen gerecht zu werden und zugleich die Versorgungssicherheit im Auge zu behalten, sei kein leichtes Unterfangen und verlange nach ausgefeilten Denkansätzen, die auch in Österreich noch nicht bis im Detail vorlägen.

Ein Ergebnis der Energiegespräche war deswegen, dass sich die Netzbetreiber frühzeitig und intensiv mit der Regulierung auseinandersetzen sollten, schon um die Entwicklungsphase zu verkürzen und rechtliche Streitigkeiten zu vermeiden. Besonders wichtig sei dabei auch die direkte Zusammenarbeit mit der Regulierungsbehörde. Es bestehe die Chance, sich in Deutschland die Erfahrungen aus anderen Märkten zu Nutze zu machen, hiesige Besonderheiten zu berücksichtigen und damit Konflikte und gerichtliche Auseinandersetzungen zu begrenzen, so die Meinung der Referenten.