Atomenergie nach 2020

Ausgewogener Energiemix: Merkel will Atomausstieg kippen

Bundeskanzlerin Merkel hat sich erneut für eine Aufkündigung des Atomausstiegs ausgesprochen. Für eine ausgewogene Energiepolitik sei Kernenergie als Brückentechnologie über das Jahr 2020 hinaus nötig, sagte die Kanzlerin am Sonntag in Hamburg.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Hamburg (ddp/red) - Der von der rot-grünen Vorgängerregierung beschlossene Ausstieg wäre nach Einschätzung der CDU-Chefin für die nationale Energieversorgung zu abrupt. Im Gegensatz etwa zu Norddeutschland seien südliche Bundesländer wie Bayern bis zur Hälfte ihres Bedarfs von Kernenergie abhängig. Bei einer Abschaltung bis 2020 seien Ausgleichslieferungen aus dem Norden in riesigem Ausmaß nötig und es bestehe die Gefahr, dass Bayern Atomstrom aus tschechischen oder slowakischen Kernkraftwerken beziehe.

Laufzeiten an Sicherheiten knüpfen

Zugleich betonte Merkel, bei einer Laufzeitverlängerung seien Sicherheitsgarantien für die Kernkraftwerke unabdingbar. "Das, was jetzt mit Krümmel passiert ist, ist nicht akzeptabel", sagte sie. Die Vorfälle in dem schleswig-holsteinischen Atomkraftwerk seien aber nicht symptomatisch: Gemessen an den meldepflichtigen Ereignissen gehöre Deutschland international zu den sichersten Ländern.

Neue Atomkraftwerke mit entwickeln

Bei einem Atomausstieg enthebe sich Deutschland weltweit zudem jedes Einflusses, auf die Sicherheitsstandards von Kernkraftwerken einzuwirken, gab Merkel zu bedenken. In den USA, in Finnland, Frankreich, Italien und Großbritannien entstünden neue Atomkraftwerke. "Ich würde gerne mit unseren sehr guten technischen Fähigkeiten ein bisschen Einfluss auf die internationale Sicherheitsdiskussion behalten", sagte sie. Die sicheren Kernkraftwerke sollten zudem so lange laufen, wie sie die technischen Voraussetzungen dazu erfüllten.

Unzufrieden mit Endlager-Suche

Unzufrieden zeigte sich Merkel in Bezug auf das Problem der Lagerung atomaren Abfalls. Es sei "außerordentlich unschön", dass für die Erkundung des Salzstocks im niedersächsischen Gorleben unter Beteiligung der Kraftwerks-Betreiber erst einmal ein Moratorium verhängt worden sei. Merkel kritisierte, dass die Atomkraftgegner einerseits das Fehlen eines geeigneten Endlagers beklagten und im gleichen Atemzug weitere Erkundungen verhinderten.